Phishing

Perfide Masche: So gehen Betrüger auf Kleinanzeigen vor

Betrüger locken mit der sogenannten "Sicher-bezahlen-Falle" Nutzer bei Kleinanzeigen aus der App, ohne dass sie es merken. Wir erklären, wie die Masche funktioniert.

Teilen

Stand

Von Autor/in Daniela Fonrobert, Tom Müller / Markt WDR, 04.02.2026

Ein gebrauchtes T-Shirt, ein interessierter Käufer, ein scheinbar sicherer Bezahlvorgang – und am Ende fast 1.900 Euro Verlust. Genau das ist Timo Maschmann aus Wuppertal passiert.

Er ist bei weitem nicht der Einzige. Woche für Woche melden sich neue Betroffene bei Verbraucherzentralen und Anwälten, weil sie beim Verkaufen über Kleinanzeigen Opfer einer perfiden Betrugsmasche geworden sind.

Bei Kleinanzeigen nicht die E-Mail-Adresse angeben!

Als Timo Maschmann sein T-Shirt bei Kleinanzeigen einstellt, meldet sich kurz darauf ein Käufer. Die Nachrichten wirken persönlich, freundlich, völlig unauffällig. "Das war ganz normal, als säße wirklich jemand am anderen Ende", sagt der 47-jährige Veranstaltungstechniker.

Der Käufer bittet darum, per PayPal zu zahlen. Timo schickt seine E-Mail-Adresse. Kurz darauf heißt es plötzlich, der Kauf sei über das interne "Sicher-bezahlen"-Bezahlsystem von Kleinanzeigen abgewickelt worden.

Angeblich sei das Geld bereits eingegangen. Darüber erhalte er zeitnah eine Mail von Kleinanzeige.de. Er müsse nur noch sein Auszahlungskonto verifizieren.

Phishing: So gehen die Betrüger auf Kleinanzeigen vor

Tatsächlich erhält er per Mail eine Verkaufsbestätigung. Was er nicht weiß: die Täter hatten sich seine Mailadresse über die Finte mit der PayPal-Zahlung besorgt.

Was nun folgt, wirkt professionell: Ein Chatbot, der angeblich zu Kleinanzeigen gehört, überprüft die Kontodaten. Timo soll eine "Testüberweisung" durchführen – ein Verfahren, das er von anderen Plattformen kennt. Er bekommt zum Abgleich eine Nummer: 1888. Er gibt sie ein.

Erst als er parallel sein Konto prüft, merkt er, was wirklich passiert ist. Die Zahl war keine Transaktionsnummer – sondern der Überweisungsbetrag. 1.888 Euro sind bereits abgebucht. Es ist Wochenende, die Bank nicht erreichbar. Das Geld ist weg.

Verunsicherung durch Plattformen-Steuertransparenzgesetz Was private Online-Verkäufer wissen sollten

Für kaum einen privaten Verkäufer hat das Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG) für Online-Marktplätze Folgen. Trotzdem stellen die Betreiber eine große Verunsicherung fest.

Wie Betrüger Nutzer aus der Kleinanzeigen-App locken

Um zu verstehen, wie diese Masche funktioniert, treffen wir Matthias Wübbeling, IT-Sicherheitsexperte und Datenschutzforscher an der Universität Bonn. Er analysiert die Screenshots, die Timo Maschmann gesichert hat – und erkennt schnell: Der Verkäufer war gar nicht mehr in der Kleinanzeigen-App.

In der App selbst ist man in einem geschützten Raum. Die Kriminellen ziehen die Nutzer da unbemerkt heraus.

Der Trick: Betrüger verschicken Nachrichten mit Aufforderungen wie "Schau in deine E-Mails" - und locken so auf täuschend echt gestaltete Phishing-Seiten.

Diese Seiten sehen aus wie das Original: gleiche Farben, gleiche Schrift, gleiche Logos. "Man fühlt sich dort sicher, weil alles vertraut aussieht", sagt Wübbeling. Dass man sich längst außerhalb der Plattform befindet, bemerken viele nicht.

So erkennt man Fake-Nachrichten

Für uns stellt der IT-Experte testweise zwei Artikel bei Kleinanzeigen ein – einen Hängesessel und einen Tablet-Stift.

Schon nach kurzer Zeit melden sich Interessenten. Auffällig: extrem schnelle Antworten. "Ich vermute, das ist kein Mensch, sondern ein Chatbot", sagt Wübbeling.

Er gibt vor, PayPal zu akzeptieren, und schickt seine E-Mail-Adresse. Zwar warnt Kleinanzeigen im Chat per Pop-up davor, private Daten weiterzugeben - doch wie viele Nutzer ignoriert auch er den Hinweis. Kurz darauf kommt die bekannte Nachricht: Das Geld sei raus, man solle in den E-Mails nachsehen.

Tatsächlich landet dort eine angebliche Nachricht von Kleinanzeigen. Erst beim genauen Hinsehen wird klar: Die Absenderadresse gehört nicht zur Domain kleinanzeigen.de. Ein klassischer Fake.

Betrug über Kleinanzeigen und andere Plattformen fordert viele Opfer

Während der Recherche stoßen wir auf weitere Opfer. Bis zu 13.000 Euro haben die Betrüger abgebucht. Auch bei der Verbraucherzentrale NRW gehen regelmäßig neue Fälle ein.

David Riechmann, Referent für Verbraucherrecht, beobachtet seit einiger Zeit eine Verschiebung: "Phishing verlagert sich weg von Banken hin zu Plattformen wie Kleinanzeigen. Dort gibt es direkten Kontakt – und damit Vertrauen."

Problematisch wird es, wenn es um die Verantwortung geht. Plattformen sehen sich oft nicht zuständig, Banken verweisen auf angebliche Fehlbedienung durch Kunden.

Wer haftet bei Betrug über Kleinanzeigen & Co. – und wie bekomme ich mein Geld zurück?

Guido Lenné, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in Leverkusen, vertritt zahlreiche Betroffene. Seine Erfahrung: "Gegen die Plattformen vorzugehen, bringt meist wenig. Erfolgversprechender ist es, die Zahlungsdienstleister in die Pflicht zu nehmen."

Grundsätzlich gilt: Hat ein Kunde nicht grob fahrlässig gehandelt, muss die Bank den Schaden ersetzen. "Vor gut gemachtem Betrug schützt das Gesetz den Kunden“, sagt Lenné. Entscheidend sei die Beweislage. Screenshots und gesicherte E-Mails können vor Gericht den Ausschlag geben.

Trading-Trend Anlagebetrug: Per Messengerdienst in den Ruin getrieben

Statt vermehrtes Erspartes doch das Gegenteil: Betrüger nutzen den Trading-Trend, um auf Messengerdiensten Werbung für scheinbar seriöse Investment-Apps zu machen.

Marktcheck SWR

Was Kleinanzeigen dazu sagt

Kleinanzeigen teilt uns mit, man treffe "eine Vielzahl von Vorkehrungen, um betrügerische Chat-Nachrichten frühzeitig zu erkennen". Diese Schutzmechanismen würden kontinuierlich weiterentwickelt. Offizielle Nachrichten würden ausschließlich von der Domain kleinanzeigen.de versendet.

Im Fall von Timo Maschmann sei das betrügerische Konto gesperrt worden. Weitere Angaben könne man aus rechtlichen Gründen nicht machen. Die Ermittlungsbehörden würden unterstützt.

Fazit

Die Betrugsmasche bei Kleinanzeigen ist professionell, gut organisiert und für viele Nutzer kaum zu erkennen. Wer verkauft, sollte niemals auf Links in E-Mails klicken, keine privaten Daten weitergeben und stets prüfen, ob er sich wirklich noch in der App oder auf der offiziellen Webseite befindet.

Für Timo Maschmann ist der Fall noch nicht abgeschlossen. Er hat Anzeige erstattet – und hofft, dass seine Bank ihm das Geld zurückerstattet. Aufgeben will er nicht.

Fast Food im Test Chicken Nuggets: So (un)gesund sind die Hähnchenstückchen

Chicken Nuggets sind laut aktuellen Umfragen ein sehr beliebter Snack. Doch in Labortests werden immer wieder Schadstoffe gefunden. Sind die Nuggets gesundheitlich bedenklich?

Schlaf optimieren Besser schlafen dank Schlaftracking?

Den Schlaf zu tracken liegt im Trend - ob mit Smartwatch, Smartring oder Fitnessarmband. Doch wie zuverlässig sind die Daten? Und wie sinnvoll ist das überhaupt? Ein Überblick.

Instagram und Facebook Sammelklage gegen Meta: Schadenersatz einfordern für unerlaubte Datennutzung

Medikamente kaufen, Nachrichten lesen, Datingplattformen nutzen - und Meta sammelt unerlaubt Nutzerdaten dieser Webseiten. Verbraucher können sich bei der Verbandsklage eintragen.