Es ist Pfifferlingszeit, die Wälder sind voller Leckereien. Frisch, gelb und knackig – so wünschen sich Fans den leicht pfeffrig schmeckenden Pilz. Wer selbst in die Pilze geht, darf Pfifferlinge nur für den Eigenbedarf sammeln.
Zwei Kilo gelten als Faustregel, es gibt aber regionale Unterschiede. Alle anderen Pfifferlingsfreunde sind auf die Ware aus Supermarkt, Discounter oder vom Wochenmarkt angewiesen.
Aber wie frisch sind die Pilze, wenn sie nach langer Fahrt in Deutschland ankommen? Pfifferlinge gelten als schnell verderblich. Und ein Großteil der Pilze kommt aus dem Osten Europas - weit entfernt.
Die ARD Verbraucher-Redaktion hat Pfifferlinge aus dem Supermarkt und vom Discounter geprüft: auf Schimmel, matschige Stellen und eine mögliche radioaktive Belastung.
Pfifferlinge wachsen nur in freier Natur
Sylvia Hutter testet für die Redaktion die Pilze. Sie ist Biologin und Pilzsachverständige aus Brandenburg. Hutter erklärt, dass Pfifferlinge in einer Partnerschaft mit bestimmten Bäumen leben.
Wenn man sie finden wolle, brauche man den Baumpartner in der Nähe – dies sei der Grund, warum man sie nicht einfach anbauen könne. Jeder Pilz muss extra im Wald gesammelt werden, das macht den Pfifferling so wertvoll.
Zwischen Baltikum und Balkan liegen die ertragreichsten Gebiete
Ein Ort, an dem Pfifferlinge gesammelt werden, ist das Dorf Grodék an der polnisch-belarussischen Grenze. Hier gibt es eine der zahlreichen Sammelstellen für Wildpilze. Private Sammlerinnen und Sammler bringen dort ihre Ausbeute hin, vier Euro gibt es pro Kilo.
Wie in Grodék werden die Pilze überall in Osteuropa eingesammelt. Der Bedarf ist da: 2024 wurden laut Statistik mehr als 4.000 Tonnen Pfifferlinge nach Deutschland geliefert. Dabei brauchen die Lkw auch mal mehr als zwei Tage für die Strecke bis zum deutschen Großhändler.
Sind die Pfifferlinge dort angekommen, geht es ans Sortieren, Putzen und Verpacken der Ware. Zwischen dem Zeitpunkt der Anlieferung im Großhandel und der Ankunft im Einzelhandel vergehen trotz Zeitdruck wieder einige Tage.
In dieser Zeit werden die Pfifferlinge bei Temperaturen von zwei bis fünf Grad gekühlt. Bis zu sieben Tage könne man sie unter den gegebenen Bedingungen lagern, erläutert Oliver Seeberger vom bayrischen Wildpilz-Großhändler Stahl.
Pfifferlinge: lange Transportwege, kurze Haltbarkeit
Und dann landen die Pfifferlinge endlich im deutschen Einzelhandel. Gemeinsam mit dem Berliner Gourmetkoch Fabian Ehrit nimmt Sylvia Hutter für diesen Frische-Check Pfifferlinge unter die Lupe, die bei Rewe, Lidl und Edeka gekauft wurden.
Die Kriterien der beiden für frische Exemplare: Die Farbe sollte möglichst hellgelb sein, die Konsistenz fest statt matschig. Und der Hutrand zeigt nicht nach oben, sondern ist eher nach unten gekrempelt. So sieht der ideale Pfifferling aus.
Der Frische-Check bei Rewe-Pfifferlingen
Die erste Stichprobe, von Rewe, hat einen Kilopreis von 22,45 Euro. Die Pfifferlinge kommen aus Litauen. Einige Pilze in der Packung haben einen matschigen Rand oder sind komplett weich.
Für Ehrit und Hutter steht fest: Hier muss gründlich geschaut und aussortiert werden. Ein höchstens befriedigendes Ergebnis, so die Tester.
Auf die Frage an Rewe, warum mit Mängeln behaftete Ware verkauft wird, kommt eine allgemein gehaltene Antwort: „Eine völlig homogene Partie, wie sie der Verbraucher von Kulturware gewohnt ist, kann es bei Wildpilzen naturgemäß nicht geben“, so ein Pressesprecher des Lebensmittelhändlers gegenüber der ARD Verbraucher-Redaktion.
Auch bei Lidl gibt es matschige Stellen
Die Pfifferlinge von Lidl kosten 18,95 Euro pro Kilogramm. Wieder kommen sie aus Litauen. Und wieder erkennen die Tester angeditschte Stellen.
Es gibt dieses Mal allerdings eine „solide 3“. Denn insgesamt waren die Pilze etwas besser als die Rewe-Pfifferlinge. Lidl betont auf Nachfrage, dass die Ware engmaschig kontrolliert und gegebenenfalls aussortiert werde.
Edeka-Pfifferlinge: Im Körbchen findet sich Schimmel
Die Pfifferlinge von Edeka sind die günstigsten im Frische-Test, sie kosten 17,90 Euro pro Kilo. Auch diese Pilze kommen aus Litauen.
Seit Januar 2025 muss bei Wildpilzen das Ursprungsland ausgewiesen werden. Bei den Edeka-Pilzen stehen als Abpack-Land noch die Niederlande auf dem Etikett.
Und: An den ersten Pfifferlingen lässt sich Schimmel erkennen. Dazu matschige Pilze. Für Ehrit ein Grund, das ganze Körbchen zum Supermarkt zurückzubringen.
Man könne nicht sicher sein, wie weit sich der Schimmel ausgebreitet habe. Dafür gibt es ein „ungenügend“ von den Testern.
„Auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen (…) ergeben sich für uns keine Hinweise auf eine generelle Qualitätsabweichung der betroffenen Partie“, so Edeka auf Nachfrage. „(Daher) gehen wir nach aktuellem Kenntnisstand von einem Einzelfall aus.“
Warum verdorbene Pilze in den Handel gelangen
Wenn es Einzelfälle sind, so haben sie sich in diesem Frische-Test auffällig gehäuft. Darf die Ware denn so überhaupt in den Handel kommen?
Es gebe einen Ermessensspielraum seitens der Händler, sagt Britta Schautz, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Berlin. Das Lebensmittelrecht besage, ein Lebensmittel müsse sicher sein. Dafür haftet der Inverkehrbringer, also der Händler.
Gleichzeitig gebe es die Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuches für Pilze. Und die besagten, dass Pilze frei von Schädlingen und Fäulnisbefall sein sollen. „Es besagt aber nicht, ab welchem Zeitpunkt Pilze jetzt aussortiert werden müssen“, so Schautz.
Zurückbringen darf ich die Waren dennoch, auch, wenn sie nur in Teilen verdorben ist. Deswegen unbedingt den Kassenbon aufbewahren.
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Pfifferlinge und Radioaktivität: Wie viel Cäsium enthalten sie?
Waldpilze stehen regelmäßig wegen einer möglichen radioaktiven Strahlenbelastung im Fokus. Im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wurden deswegen alle Pilz-Proben auf das radioaktive Isotop Cäsium-137 untersucht.
Das Ergebnis: Die Werte lagen zwischen 10 und 25 Becquerel pro Kilogramm, was weit unter dem EU-Grenzwert von 600 bcq/kg liegt. Laut Udo Gerstmann vom BfS, der die Untersuchung auswertete, müsste ein Verbraucher von den Pfifferlingen zwischen drei und neun Tonnen pro Jahr essen, um den Jahresgrenzwert zu erreichen.
Das klingt beruhigend. Anders als die Qualität im Supermarkt. Die frischesten Pfifferlinge? Gibt es immer noch im Wald.