Professor für Lebensmittelhandel Stephan Rüschen

Preise, Apps und Bio-Trend: Das Geheimnis der Supermärkte und Discounter

Supermärkte und Discounter beschäftigen Stephan Rüschen. Wie kommt der Preis zustande? Welche Rolle spielen Apps und ist Bio trotz gestiegener Lebensmittelpreise noch im Trend?

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Stand

Discounter oder Supermarkt? Das sind die Unterschiede
Lebensmittel und der Preis: Gibt es Preisabsprachen?
Ukraine-Krieg treibt Lebensmittelpreise in die Höhe
Apps, Bonuspunkte und Co.: Aktuelle Vermarktungsstrategien
Kampf um Bio: dm könnte Marktführer werden

Stephan Rüschen geht gern einkaufen – aus beruflichen Gründen: Als Professor für Lebensmittelhandel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn sind Supermarkt und Einkaufen seit mehr als zehn Jahren seine Themen.

Discounter oder Supermarkt? Das sind die Unterschiede

Vereinfacht gesagt teilen vier große Player den Lebensmittelmarkt unter sich auf: Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz Gruppe (Kaufland, Lidl) haben zusammen einen Marktanteil von 85 Prozent. Vor einigen Jahrzehnten lag ihr Anteil noch bei 50 Prozent. Ihr Marktanteil hat sich erhöht, weil in der Vergangenheit regionale Player weggebrochen sind. 

Die Kunden sind immer noch der Meinung, dass die Discounter günstiger sind, als die Supermärkte, was häufig gar nicht stimmt.

Doch wie unterscheiden sich Discounter und Supermärkte? Laut Stephan Rüschen haben Discounter zum einen keine Bedientheken und zum anderen ein kleineres Sortiment: etwa 3.000 Artikel. Ein Supermarkt hat dagegen zwischen 20.000 und 30.000 Artikel.

Lebensmittel und der Preis: Gibt es Preisabsprachen?

In SWR1 Leute erklärt Rüschen, dass sich der Preis für Lebensmittel auf dem Weltmarkt bildet und nicht vorrangig mit den Produktions- und Vermarktungskosten zusammenhängt. Aus diesem Grund hätten Markenprodukte auch in unterschiedlichen Märkten oft denselben Preis. Er glaube aber nicht, dass es Preisabsprachen gebe, so Rüschen. Die wären illegal.

Markenprodukte sind teurer als die sogenannten Handelsmarken (Eigenmarken) der Supermärkte und Discounter. Das liegt laut Rüschen daran, dass Markenhersteller Geld für die Entwicklung neuer Produkte benötigten, wohingegen Handelsmarken die Markenwaren lediglich kopierten.

In Sachen Qualität gibt es aus Sicht der Kunden dagegen kaum einen Unterschied zwischen den Produkten der Marken und der der Handelsmarken: Teilweise sei es auch so, dass die Produkte sogar aus denselben Fabriken kämen.

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Eigenmarken wie „Ja“, „K-Classic“ und „Gut und günstig“ boomen. Der Preis ist gut, aber wie sieht’s mit der Qualität aus? Und wie unterscheiden sie sich von bekannten Marken?

Ukraine-Krieg treibt Lebensmittelpreise in die Höhe

In den letzten 5 Jahren und seit Beginn des Ukraine-Krieges sind die Preise für Lebensmittel um mehr als 30 Prozent gestiegen. Mit dem Ergebnis, dass Kunden versuchten, günstiger einzukaufen, sagt Stephan Rüschen in SWR1 Leute.

Dabei lassen sich diese 3 Strategien beobachten:

  1. Kunden kaufen weniger Markenartikel, dafür vermehrt Artikel von Handelsmarken
  2. Kunden kaufen und bevorraten Artikel, die im Angebot sind
  3. Kunden kaufen allgemein weniger Produkte

Aufgrund der Inflation hätten Fachgeschäfte wie Bäcker und Metzger gelitten, so Rüschen. Discounter haben dagegen Marktanteile dazugewonnen.

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Apps, Bonuspunkte und Co.: Aktuelle Vermarktungsstrategien

Aktuell nutzen immer mehr Lebensmittelmärkte App-Rabatte: Die gelten zusätzlich zu den normalen Angeboten. Dabei handelt sich laut Stephan Rüschen um Kundenbindungsprogramme, bei denen Kunden individuell auf ihr Kaufverhalten ausgerichtet Rabatte bekommen. Damit das passiert, muss das Kaufverhalten preisgegeben werden. Etwa jeder zweite Kunde nutzt dieses System.

Frage der Gleichbehandlung Supermarkt-App: Verbraucherzentrale scheitert mit Klage gegen Netto

Discounter bieten Kunden in Apps exklusive Rabatte für den Einkauf an. Die Verbraucherzentrale findet, das schließt Personen aus. Die Klage gegen Netto wurde jetzt abgewiesen.

Das muss jeder für sich selber abwägen. Es ist schon eine Botschaft: Wer daran nicht teilnimmt, zahlt letztendlich höhere Preise als derjenige, der an diesem Kundenbindungsprogramm teilnimmt. 

Die Möglichkeit, sich Lebensmittel nach Hause liefern zu lassen, nutzen aktuell nur wenige Menschen: Der Marktanteil liegt bei lediglich 3,5 Prozent, dürfte aber in Zukunft wachsen.

Ein weiterer Trend, den Rüschen positiv bewertet, sind z.B. unbemannte Supermärkte, die sonntags öffnen dürfen, oder komplett autonome Smart-Stores mit Technologien, die die Einkäufe automatisch erfassen und Geld abbuchen. Verschwinden wird der klassische Supermarkt aus seiner Sicht jedoch nicht. Er könnte aber kleiner werden und mit weniger Personal, dafür mehr Selbstbedienungstheken und -kassen haben.

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Kampf um Bio: dm könnte Marktführer werden

Trotz der steigenden Lebensmittelpreise ist der Trend zu Biolebensmitteln ungebrochen: Aktuell liegt der Marktanteil bei sieben Prozent. Bio ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Auch Supermärkte und Discounter haben Bio für sich entdeckt. 

Zwei Drittel der Produkte, die wir bio kaufen, sind Handelsmarken und nicht Markenartikel. Handelsmarken und Bio gehen durchaus einher, weil sie für Kunden die Möglichkeit bieten, zu vernünftigen Preisen Bio zu kaufen.

Inzwischen finden sich auch Produkte mit Biosiegeln, die höhere Anforderungen stellen (z.B. Bioland, Naturland, demeter), in den Regalen der Supermärkte und Discounter. Ein neuer Konkurrent in Sachen Bio: Drogeriemärkte.

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