Was Menschen vor der Landtagswahl BW bewegt

Sicherheit, Leerstand, Müll: Was Baden-Württemberger im Stadtbild stört

Vor der Landtagswahl haben uns Wählerinnen und Wähler geschrieben, was sie besonders beschäftigt. Ein Thema: die Sicherheit, Sauberkeit und Attraktivität der Innenstädte.

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Von Autor/in Utku Pazarkaya, Samantha Ngako

Astrid Hornig ist Lkw-Fahrerin und wohnt in Stuttgart. Die 59-Jährige ist ein großer VfB-Fan. Trotzdem besucht sie die Abendspiele des VfB nicht mehr, erzählt sie. Sie fühle sich nicht sicher. Weil sie das bewegt, hat sie sich vor der Landtagswahl beim SWR gemeldet. "Ich werde sozusagen meiner Freiheitsrechte beraubt und traue mich nicht mehr, weil es gefährlich sein kann", sagt sie.

Astrid Hornig hat bereits schlechte Erfahrungen gemacht: Bei einem gemeinsamen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt sei ihrer 86-jährigen Bekannten die Geldbörse gestohlen worden. Unsicherheit empfindet die Berufskraftfahrerin auch im öffentlichen Nahverkehr. "In der Stadtbahn - da willst du gar nicht auffallen", sagt sie. Heftig Kritik übt sie am Zustand der unteren Königstraße in Stuttgart: "Unterirdisch."

Astrid Hornig
Astrid Hornig ist Berufskraftfahrerin.

Die Stadt Stuttgart teilte dazu auf SWR-Anfrage mit, dass sie das persönliche Sicherheitsgefühl der Menschen ernst nehme. Etwa Pöbeleien und Belästigung im öffentlichen Raum sowie vermüllte Parks könnten eine grundsätzliche Verunsicherung befördern. "Diese Faktoren treten auch in der Klett-Passage beziehungsweise der unteren Königstraße auf", so die Stadt und verwies auf Maßnahmen wie eine hohe Polizeidichte in der Klett-Passage und aufgestocktes Sicherheitspersonal der SSB.

Unternehmer Uwe Seidel kritisiert Leerstand und "Verwahrlosung"

Uwe Seidel
Uwe Seidel nimmt ein subjektives Untersichheitsgefühl in der Bevölkerung wahr.

Der Zustand der Innenstädte beschäftigt auch Uwe Seidel aus Albstadt im Zollernalbkreis, der dem SWR geschrieben hat. Seine Reaktion auf die Stadtbild-Debatte, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angestoßen hatte? "Er hat mir aus dem Herzen gesprochen", antwortet der 63-Jährige. "Vielleicht hätte er es präzisieren sollen", fügt er hinzu.

Unternehmer Seidel sieht viel Leerstand und zum Teil "Verwahrlosung" in Innenstädten. "Das beginnt mit Müll, der herumliegt. Das können Zigarettenkippen sein, die an Treffpunkten die Straße übersäen." Seidel beklagt außerdem, dass klassische Geschäfte in den Innenstädten durch Ein-Euro-Shops, Telefonläden, Dönerbuden und Shisha Bars abgelöst würden.

Gruppen junger Männer, die auf der Straße zusammenstehen, verunsicherten die Menschen, erzählt Seidel. "Vielleicht sind die auch gar nicht gefährlich. Sie lösen halt Ängste aus. Das ist die Wahrnehmung der Bevölkerung." Seidel beschreibt das als ein subjektives Unsicherheitsgefühl. "Das höre ich immer wieder von alten Leuten - meine Mutter ist 86. Das höre ich aber auch von meiner Frau und ihren Freundinnen."

Bürokauffrau Sondos Ibo ist fasziniert von deutschen Städten und der Natur

Sondos Ibo
Sondos Ibo darf bei der Landtagswahl im März zum ersten Mal wählen.

Die 28-jährige Sondos Ibo fühlt sich in Stuttgart sicher. Sie hat drei Jahre das Abendgymnasium besucht und war mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auch abends unterwegs. Die junge Frau stammt aus Syrien. Als sie vor zehn Jahren nach Deutschland gekommen ist, war sie fasziniert von den vielen schönen deutschen Städten und der Natur, erzählt sie.

Ibo darf bei der Landtagswahl zum ersten Mal ihre Stimme abgeben. "Es ist ein schönes Gefühl", sagt sie. Seit einem halben Jahr ist sie deutsche Staatsbürgerin. Inzwischen hat sie das Abitur in der Tasche und eine Ausbildung als Bürokauffrau absolviert.

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Debatte um Stadtbild und Migration Unions-Geschäftsführer Bilger legt in Stadtbild-Debatte nach: "Vollverschleierte gehören nicht nach Deutschland"

Kanzler Merz hat mit seiner Aussage zum "Stadtbild" für heftige Debatten gesorgt. Laut einer Umfrage gibt ihm die Mehrheit der Deutschen Recht. Ein Merz-Vertrauter legt nach.

Trotz ihrer Begeisterung für Deutschlands Städte und Landschaften findet auch Ibo Punkte, die sie am Stadtbild stören. "Traditionsgeschäfte werden geschlossen, weil sie in die Insolvenz gehen", sagt sie. "Es gibt manchmal Mülleimer, die sehr voll sind. Das habe ich schon am Hauptbahnhof und in der Königstraße gesehen." Auch eine bessere nächtliche Beleuchtung wünscht sie sich an manchen Orten. "Weil man sich sonst unsicher fühlt."

Chemiker Abdulhamid Almidani stört sich an der S21-Baustelle

Abulhamid Almidani
Abdulhamid Almidani findet Verallgemeinerungen gefährlich.

Abdulhamid Almidani stammt wie Sondos Ibo aus Syrien. Der 33-Jährige durfte zum ersten Mal bei der jüngsten Bundestagswahl seine Stimme abgeben. Zur Frage nach dem, was ihn am Stadtbild stört, fällt ihm spontan die Baustelle des Projekts Stuttgart 21 ein. "Es wäre schön, wenn das fertig wird."

Forum Streit ums „Stadtbild“ – Was stimmt nicht im öffentlichen Raum?

Bundeskanzler Merz hat eine Debatte über das Stadtbild ausgelöst. Ihm geht es um illegale Migranten. Doch Probleme gibt es Innenstädten viele andere.

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Über die Stadtbild-Debatte sagt Almidani: "Verallgemeinerungen finde ich immer gefährlich." Es gebe Leute, die sich sehr vernünftig verhielten, so wie es auch Leute gebe, die sich nicht richtig verhielten.

Wünsche an die Politik haben alle vier

Von den Politikern erwartet der Chemiker Almidani, dass sie sich für die Menschen im Land einsetzen. Und Sondos Ibo wünscht sich bezahlbaren Wohnraum in Stuttgart. Uwe Seidel wünscht sich von der Politik ein Konzept für die Innenstädte, etwa die Konversion von Gewerbe- in Wohnflächen. Belebte Innenstädte sind für ihn sichere Innenstädte. Gegen die Ängste der Bürger schlägt Seidel mehr Fußstreifen vor.

Mehr Sicherheit, das wünscht sich auch Astrid Hornig. "Für Gerechtigkeit sorgen und vor allen Dingen sauber halten", sagt sie. Damit Menschen ohne Angst und unbeschwert in die Stadt gehen könnten.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Utku Pazarkaya
Porträt Utku Pazarkaya
Samantha Ngako
SWR-Redakteurin Samantha Ngako

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