Was Menschen vor der Landtagswahl bewegt

Schwere Unfälle und Tote gesehen: Rettungsassistent fordert Tempolimit auf Autobahnen

Hans Martin Rotert aus Schutterwald hat jahrelang als Rettungsassistent gearbeitet. Er hat sich vor der Wahl beim SWR gemeldet. Denn: Die Raserei ist ihm ein Dorn im Auge, er fordert ein Tempolimit.

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Von Autor/in Ulf Seefeldt

Hans Martin Rotert ist ein entspannter Mensch. Er reist gerne und viel und ist mit seinem Wohnmobil in ganz Europa unterwegs. Wenn den 69-Jährigen aus Schutterwald (Ortenaukreis) aber etwas auf die Palme bringt, dann ist es die Raserei auf Deutschlands Autobahnen. "Mit einem Tempolimit könnten so viele schwere Unfälle verhindert werden", sagt er. Der Vater dreier erwachsener Kinder hat sich deshalb beim SWR gemeldet und uns vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg erzählt, was ihn bewegt.

Erinnerungen an einen Unfall, bei dem ein 12-Jähriger ums Leben kam

Jahrzehntelang hat der 69-jährige Rotert als Rettungsassistent gearbeitet und viele Zusammenstöße von Autos mit Toten erlebt und gesehen. Selbst heute, als Rentner, arbeitet er noch tageweise in der Offenburger Leitstelle. Ganz besonders in Erinnerung ist ihm dabei ein Unfall auf der A5 geblieben, bei dem ein 12-jähriger Junge ums Leben kam: Ein Autofahrer war nachts sehr schnell unterwegs gewesen, sah ein voraus fahrendes langsameres Auto zu spät und fuhr auf.

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Der 12-Jährige in dem Kleinwagen hatte keine Chance. Er starb noch an der Unfallstelle. Seine Mutter am Steuer des Wagens wurde schwer verletzt. Hans Martin Rotert ist sicher: "Mit einer geringeren Geschwindigkeit hätte der Junge überlebt."

Der 69-Jährige aus Schutterwald beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Thema Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen. Er hat dazu recherchiert und kann auch Zahlen nennen. Zum Beispiel diese: Bei einem Tempolimit gebe es weniger Unfälle, ein Drittel weniger Verkehrstote und zehn bis 15 Prozent weniger Schwerverletzte. Das wiederum habe zur Folge, dass in den Krankenhäusern weniger Intensivbetten blockiert würden. In Deutschland könnte laut Rotert viel Geld eingespart werden.

Hans Martin Rotert wünscht sich von der Politik ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen
Hans Martin Rotert wünscht sich von der Politik ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen.

Hinzu käme, dass weniger Benzin oder Diesel verbraucht würde und der Kohlendioxid-Ausstoß verringert würde. Und: Hans Martin Rotert denkt auch an die Fahranfänger, an die 18- bis 24-Jährigen, denen vermittelt würde, sie könnten so schnell fahren, wie sie wollten.

Weil Rotert mit seinem Wohnmobil durch ganz Europa reist, erlebt er, wie Autos in anderen Ländern unterwegs sind. Mit Geschwindigkeitsbegrenzungen von 120 Stundenkilometern sei alles viel entspannter, sagt er. Es werde dort ganz anders gefahren. "Wir müssen uns entschleunigen", findet der 69-Jährige, "wir müssen gelassener werden". Viel zu oft würden sich auf den Autobahnen in Deutschland aggressive Szenen abspielen, in der Schweiz oder in Frankreich sei das nicht so. Dort würde niemand mit 150 Stundenkilometern von hinten mit Lichthupe heranbrausen.

Er fordert deshalb in Deutschland ebenfalls ein Tempolimit von 120 oder 130 Stundenkilometern. Er versteht nicht, warum sich die Politik hier verweigert. Sogar der ADAC sei ja inzwischen offen für ein Tempolimit auf Autobahnen. Es sei eine Maßnahme, die viel verhindern, aber nichts kosten würde.

Was den Mann aus Schutterwald besonders ärgert, sind rasende Autofahrer aus der Schweiz. Vor allem junge Fahrer aus dem Nachbarland würden sich gerne nachts verabreden, um auf der A5 zwischen Weil am Rhein (Kreis Lörrach) und Karlsruhe Rennen zu veranstalten, hat er beobachtet. Nicht selten hätten sie getunte Fahrzeuge mit vielen PS. Es könne doch nicht sein, dass diese Menschen in der Schweiz nur 120 Stundenkilometer fahren dürften und dann hierher nach Deutschland kommen, um sich auszuleben.

Was gegen ein generelles Tempolimit auf Autobahnen spricht

Deutschland ist das einzige Land in Europa, das kein generelles Tempolimit auf Autobahnen hat. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat im vergangenen Jahr gesagt, er halte ein generelles Tempolimit auf Autobahnen nicht für nötig. "Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen beträgt nicht einmal 115 Stundenkilometer", sagte Schnieder der "Funke Mediengruppe" zufolge. Er verwies demnach darauf, dass es bereits vielfach Geschwindigkeitsbegrenzungen gebe, hinzu kämen Baustellen und Staus. Man könne in Deutschland nur auf wenigen Strecken wirklich schnell fahren, so Schnieder. Gegen ein generelles Tempolimit richtet sich auch der Automobilclub von Deutschland (AvD) und bezweifelt eine relevanten Effekt auf den Klimaschutz. Gegner eines Tempolimits führen außerdem beispielsweise das Argument der persönlichen Freiheit an.

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Autor/in
Ulf Seefeldt
Ulf Seefeldt mit Mikrofon in der Hand im SWR Studio Offenburg

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