Alle Jahre wieder das mit dem Verzicht

Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl: Beim Fasten mit der Menge Maß halten

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Wir haben mit dem Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl übers Fasten, über Mengen und wie das diesmal klappen kann, gesprochen.

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SWR1: Sind Sie Team "Frühstück kann mir gestohlen bleiben" oder "Ohne Frühstück werde ich zum Tier"?

Matthias Riedl: Ich bin eher Team Frühstück, aber das fällt bei mir meistens aus Zeitgründen ein bisschen knapper aus. Das ist übrigens auch das Ideal und kommt der gesunden Ernährung am nächsten: Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettelmann essen.

Ernährungsmediziner Matthias Riedl: Gewohnheiten vs. Stoffwechsel

SWR1: Wenn ich mit meinem Partner, meiner Partnerin abends schön essen gehen will, ist es doch eher kontraproduktiv, wenn ich abends nur ein Glas Wasser trinke ...

Riedl: Das ist tatsächlich der Punkt. Aber der Stoffwechsel hat ganz andere Interessen. Der startet morgens mit hohem Energiebedarf und den will er gedeckt haben.

Wenn wir abends spät noch viel essen, haben wir über Nacht einen erhöhten Blutzucker. Das ist tendenziell eher ungünstig für die Herz-Kreislauf-Gesundheit auf der einen Seite.

Auf der anderen Seite sehen wir, dass wenn wir morgens ordentlich frühstücken, dann sinkt in den Studien das Risiko für Diabetes. Gerade also Menschen mit Diabetes sollten tatsächlich frühstücken und dann noch mal diese Kaiser-König-Bettelmann-Geschichte leben.

Aber Sie haben völlig recht, in unserer Gesellschaft ist es eher so, dass die Gewohnheiten anders sind.

Ernährungsmediziner Matthias Riedl: Mit der Menge Maß halten

SWR1: Am Aschermittwoch startet die Fastenzeit. Was gewinnt man dadurch, dass man Genüsse weglässt?

Riedl: Tatsächlich ist es so, dass man merkt, kann ich auch ohne das leben? Kann ich ohne so viel Zucker leben? Kann ich ohne so viel Alkohol leben? Und das zeigt einem dann auch, wie geht es mir denn ohne.

Wenn man ganz ehrlich ist, werden die meisten sagen: Verdammt, ohne Zucker fühle ich mich viel fitter, viel wacher und der Alkohol verschlechtert meinen Schlaf.

Damit wird einem klar, dass man mit einer gesünderen Lebensweise tatsächlich besser lebt. Und das ist eine ganz wichtige Erkenntnis. Brauche ich das? Brauche ich bestimmte Genussgifte im Übermaß?

Es geht ja nicht darum, am Ende etwas komplett wegzulassen, sondern mit der Menge Maß zu halten.

SWR1: Jeden Monat wird uns im Prinzip etwas vorgeschrieben, was ich irgendwie besser machen soll. Wir haben den Januar ohne Alkohol, den Februar, in dem wir nur vegan essen und so weiter. Dieser Druck von Außen nervt doch schon irgendwie ein bisschen?

Riedel: Richtig und das ist eine ganz wichtige Regel: kein Druck beim Essen! Das, was wir machen, sollten wir mit Zufriedenheit machen und mit Genuss und aus voller Überzeugung.

Wer nicht dahinter steht, soll es einfach sein lassen. Es geht einfach um einen rationaleren und einen bewussteren Umgang mit Genussgiften. Und das kann man auch mit weniger erreichen.

Ernährungsmediziner Matthias Riedl: Warum es auch mal nicht klappt

SWR1: Woran liegt das denn, wenn man es nicht schafft?

Riedl: In den meisten Fällen haben wir es dann nicht wirklich vorgehabt. Wenn wir etwas wirklich vorhaben und das auch in Familie und den Freunden verkünden, dann erfahren wir dabei auch Unterstützung.

Wenn wir es aber nicht wirklich veröffentlichen und nicht bekannt geben und uns nicht fest vornehmen, halten wir auch nicht durch. Dann ist schon die erste Versuchung, die letzte Versuchung und dann kippen wir den Vorsatz.

SWR1: Also entweder braucht man Druck von außen oder man fastet einfach vom Fasten und macht gar nichts?

Riedel: Ja, das muss man wirklich wollen. Aber die Fastenzeit ist eine gute Möglichkeit, einmal darüber nachzudenken, was will ich an meiner Ernährung verändern, was kann ich an meinem Leben verändern. Auch die Möglichkeit zu haben, einmal zu spüren, ich bin selbstwirksam, ich halte das durch. Das ist eine tolle Erfahrung.

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