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ChatGPT mit Werbung: Was ändert sich für Nutzerinnen und Nutzer?

Künftig blendet ChatGPT bei kostenloser Nutzung Werbung ein. Was genau im Chat erscheint, wie sicher unsere Daten sind und Tipps, wie der Bot werbefrei bleibt – auch ohne ein Abo.

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Von Autor/in Sebastian Moritz , WDR

Rund eine Milliarde Menschen verwenden ChatGPT weltweit, doch nur ein kleiner Teil zahlt dafür. Nun wird ChatGPT zur Werbeplattform: OpenAI testete vor rund einem halben Jahr zuerst in den USA Anzeigen im Chatbot. Jetzt folgt der europäische Markt.

OpenAI gibt Werbefreiheit bei ChatGPT auf

Der Chatbot von OpenAI zeigt also künftig auch in der EU Werbeanzeigen an – zunächst bei der kostenlosen Version und beim günstigsten Abo. Damit verabschiedet sich das Unternehmen von seiner bisherigen Strategie.

Noch im April 2024 sagte OpenAI-Chef Sam Altman: „Ich hasse Werbung. Die Kombination aus Werbung und KI ist für mich auf eine besondere Weise beunruhigend.“ Jetzt fragt sich, was die Kehrtwende für die Nutzerinnen und Nutzer konkret bedeutet.  

So werden Werbeanzeigen bei ChatGPT eingeblendet

Wer ChatGPT eine Frage stellt, sieht künftig unterhalb der KI-Antwort eine graue Linie. Darunter kann eine Werbeanzeige erscheinen. So funktioniert das bereits in den USA und so soll es auch hierzulande eingeführt werden.

Geplant ist sogenannte kontextbezogene Werbung. Lina Ehrig, Leiterin des Teams Digitales und Medien beim Verbraucherzentrale Bundesverband, erklärt: „Wenn ich zum Beispiel nach Reisetipps für Thailand suche, wird die Werbung auf Basis dieses Inhalts eingespielt.“ Die Anzeigen orientieren sich also an der aktuellen Frage im Chat.

OpenAI betont, dass keine Chat-Verläufe an Werbekunden weitergegeben werden. Trotzdem beeinflusst der Suchverlauf, welche Werbung Nutzerinnen und Nutzer zu sehen bekommen. Genau hier beginnt ein schmaler Grat zwischen bloßem Kontext und echter Personalisierung der Werbung.

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Werbung im Kontext oder persönliches Profil?

Was OpenAI vorerst ausschließt, ist klassische personalisierte Werbung. Dabei würden aus vielen Suchanfragen und weiteren Daten konkrete Profile der nutzenden Personen erstellt – technisch wäre das problemlos möglich.

Lina Ehrig beschreibt ein Beispiel: „Da kann beispielsweise das Profil entstehen, weiblich, 35 Jahre alt, Festanstellung, Jahresgehalt zwischen 60.000 und 80.000 Euro, ist interessiert an Luxusreisen, besonders im Mittelmeer.“ Solche Profile sind für die Werbeindustrie hoch attraktiv, können für Betroffene aber heikel werden.

Die Verbraucherschützer wollen die Grenze zwischen Kontext und Personalisierung genau im Auge behalten. Die Expertin befürchtet: „Weil durch das Geschäftsmodell, dass ich wirklich sehr persönliche Gespräche führe, ist die Grenze aus unserer Sicht zu einer Personalisierung auf Grundlage von sehr detaillierten Profilen, die ich über die Person bekomme, sehr durchlässig.“

Malte Kirchner vom Technikportal heise online sieht besondere Risiken bei sensiblen Themen. Er denkt etwa daran, „dass Menschen Rat suchen bei Depressionen oder dergleichen - und dann auch Werbung angezeigt bekommen, die die Situation für sie vielleicht nicht verbessert“.

Datenschutz in Europa: DSGVO schützt Verbraucher

In den USA gibt es personalisierte Werbung bei ChatGPT bereits. Für Europa ist sie hingegen laut OpenAI derzeit nicht geplant. In der EU gelten strengere Datenschutz- und Digitalgesetze, etwa die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Für die personalisierte Werbung gibt es hohe Hürden. Hier müssten die Nutzerinnen und Nutzer extra zustimmen.

Malte Kirchner sagt: „Was uns, glaube ich, in Europa sehr stark schützt gegenwärtig, ist die Gesetzeslage hier. OpenAI hat erklärt, dass sie die europäische Wirtschaftszone erstmal außen vor lassen bei der Personalisierung. Ich denke, dass die empfindlichen Strafen die Anbieter – insbesondere OpenAI – zurückschrecken lassen.“

Beeinflusst Werbung die Antworten des Chatbots?

OpenAI versichert, dass Werbekunden keinen Einfluss darauf haben, welche Antworten ChatGPT auf die Fragen der Nutzerinnen und Nutzer gibt. Werbung soll optisch getrennt sein – eben durch die graue Linie zwischen KI-Antwort und Anzeige. Fachleute sehen jedoch die Gefahr, dass diese Trennung im Laufe der Zeit aufgeweicht wird.

Philipp Klöckner, Analyst mit Schwerpunkt auf dem Konzern OpenAI, warnt: „Wenn der Anreiz ist, mehr Werbung zu verkaufen, dann wird man sie schlechter kenntlich machen mit der Zeit. Da bin ich mir relativ sicher. Ansonsten – täte man das nicht, hält man sich an die klare Trennung - wird die Werbung einfach ineffektiv sein und die Werbetreibenden werden OpenAI nicht besonders lange nutzen. Das wäre dann auch nicht erfolgreich.“  

Aus Verbrauchersicht stellt sich damit die Frage, ob Empfehlungen im Chat irgendwann indirekt von Werbeinteressen geprägt sein könnten. Welches Restaurant wird genannt, welche Versicherung empfohlen? Je enger Antwort und Werbung zusammenrücken, desto schwieriger wird es, beides auseinanderzuhalten.

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ChatGPT ohne Werbung - so gehts: Plus-Abo und temporärer Chat

Wer ChatGPT verwendet und keine Werbeanzeigen sehen möchte, kann den Bot künftig nur noch mit Einschränkungen kostenlos oder ganz ohne Werbung nutzen.

  • Werbung ausschließen – mit kostenpflichtigem Abo

Achtung: Beim günstigsten Abo für 8 Euro im Monat werden zwar weniger, aber weiterhin Werbeanzeigen angezeigt. Komplette Werbefreiheit gibt es erst mit dem teureren Plus-Abo für 23 Euro im Monat. 

  • Temporärer Chat: werbefrei, aber weniger Funktionen

Die zweite Option ist der sogenannte temporäre Chat. Diese Schmalspur-Variante des Chatbots lässt sich in der App über die Sprechblase schon jetzt oben rechts aktivieren. In diesem Modus werden Antworten nicht gespeichert, erscheinen also später nicht im Chat-Verlauf. ChatGPT erinnert sich auch nicht an frühere Fragen.

Der temporäre Chat hat aber klare Einschränkungen: Es können weniger Fragen gestellt werden und es lassen sich hier keine Bilder generieren. Wer damit leben kann, kann ChatGPT laut einer Sprecherin von OpenAI weiterhin werbefrei nutzen.

  • Schutz für Minderjährige

Zudem soll minderjährigen Nutzerinnen und Nutzern keine Werbung angezeigt werden.

Alternativen: Werbefreie KI-Assistenten der Konkurrenz

Andere KI-Anbieter beobachten OpenAIs Schritt genau. Claude vom Unternehmen Anthropic ist derzeit noch komplett werbefrei. Anthropic betont, dass das so bleiben soll – ähnlich deutlich hatte sich allerdings auch OpenAI vor zwei Jahren gegen Werbung positioniert.

Beim Chatbot Perplexity gab es bereits einen ersten Versuch mit Anzeigen. Das Unternehmen stoppte ihn wieder, weil die Werbung bei vielen Nutzerinnen und Nutzern schlecht ankam.

Klar ist dennoch: OpenAI ist der erste große Player, der Werbung im großen Stil in einen KI-Chatbot integriert. Es bleibt abzuwarten, wann die Konkurrenz nachzieht.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Sebastian Moritz , WDR
Onlinefassung
Heidi Keller