Eigentlich wollte Giovanni Anello nur zu einem schnelleren Internetanbieter wechseln. Es folgt ein unangekündigter Hausbesuch, freundliche Worte und eine glaubwürdige Abmachung mit einem Vodafone-Werber.
Laut Anello einigen sich die beiden darauf, dass der Verkäufer sich um die Kündigung von seinem alten Vertrag bei der Telekom kümmert und der Wechsel zu Vodafone reibungslos läuft.
Doch kurz darauf kommt die böse Überraschung. Plötzlich laufen Anellos alter und neuer Vertrag parallel und er bleibt auf doppelten Kosten sitzen. Fast 300 Euro soll er zusätzlich zahlen.
Scheinbar bequemes Haustürgeschäft wird zur Kostenfalle
Giovanni Anello ist mit seinem Telekom-Anschluss unzufrieden: Die Leitung ist ihm zu langsam für reibungsloses Streamen und Surfen. Deshalb denkt er schon länger über einen Anbieterwechsel nach.
Als zufällig ein Vertragswerber bei ihm an der Haustür klingelt, scheint die Gelegenheit günstig: Der Mann stellt ihm verschiedene Angebote vor und verspricht, nach Anellos Darstellung, sich bei einem Vertragsabschluss um alles zu kümmern.
Die Vereinbarung: Der neue Vodafone Vertrag soll erst nach Auslaufen des alten Telekomvertrags starten. Ein nahtloser Übergang. Gesagt, getan! Anello unterschreibt, Verkäufer und Kunde tauschen Telefonnummern aus – für etwaige Rückfragen. Zunächst scheint alles problemlos zu laufen.
Unerwünschte Post: Vodafone verschickt Hardware sofort
Doch schon wenige Tage später erhält Anello plötzlich eine Vertragsbestätigung von Vodafone. Misstrauisch geworden schreibt er dem Verkäufer über einen Handy-Messenger-Dienst. Er habe noch keine Kündigungsbestätigung von der Telekom erhalten. Warum würden die Vodafone-Geräte trotzdem schon verschickt?
Zwei Leitungen – keine Kündigung
Alles völlig normal, beruhigt ihn der Verkäufer. Die Geräte würden lediglich frühzeitig geliefert, bezahlen müsse Anello Vodafone aber erst, wenn sein alter Vertrag ausgelaufen sei.
Kurz darauf liegt ein Paket mit einem neuen Router bei ihm im Hausflur. Böse Überraschung für Anello: Der Vodafone-Anschluss ist bereits aktiviert – und kostet auch direkt. Anello hat nun ungewollt zwei laufende Verträge: Zusatzkosten von fast 300 Euro.
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Verbraucherzentrale warnt vor untergeschobenen Verträgen
Bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kennt man solchen Kundenärger. Oliver Buttler ist dort für Telekommunikationsfälle zuständig.
Nach seiner Einschätzung sind die unangekündigt vor der Haustür stehenden Vertragswerber häufig keine direkten Mitarbeiter der Telekommunikationsunternehmen, sondern sogenannte „Promoter“: selbstständige Vermittler von Drittfirmen.
Die Crux mit den Vermittlern
Vodafone bestätigt auf Nachfrage, dass auch der Verkäufer in Anellos Fall selbstständig und nicht direkt bei Vodafone angestellt war. Solche Vermittler werden häufig auf Provisionsbasis bezahlt: Statt eines fixen Gehalts gibt es Geld nur pro Vertragsabschluss.
Die Verbraucherzentrale kritisiert dieses System, da es den Anreiz erhöhen kann, möglichst schnell und egal wie einen Vertragsabschluss zu erzielen.
Die Frist läuft ab, die Zeit wird knapp
Anello prüft seine Vertragsunterlagen noch einmal genauer. Tatsächlich steht dort ein viel früherer Vertragsbeginn als mit dem Verkäufer besprochen. Entgegen der Abmachung!
Noch könnte Anello reagieren: Die 14-tägige Widerrufsfrist ist zu diesem Zeitpunkt nicht abgelaufen. Er schreibt erneut dem Verkäufer und macht deutlich, dass er den Vertrag widerrufen werde, falls Telekom- und Vodafone-Vertrag tatsächlich gleichzeitig liefen.
Wieder beruhigt ihn der Verkäufer. Er wolle den Fall mit der Zentrale klären. Doch: Die Widerrufsfrist verstreicht ungenutzt. Anello hört nie wieder vom Verkäufer und hat nun zwei laufende Internetverträge sowie doppelte Kosten.
Unrechtmäßiger Vertrag? – Kunde wehrt sich mit Anwalt
Anello will die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Er nimmt sich einen Anwalt und beginnt, den gesamten Vorgang zu dokumentieren: Vertragsunterlagen, WhatsApp-Verläufe und schriftliche Erläuterungen. Über Wochen sitzt er deswegen immer wieder am Schreibtisch.
Die zusätzlichen Kosten zahlt er zunächst – allerdings ausdrücklich unter Vorbehalt. Gleichzeitig bestreitet er gegenüber Vodafone, dass der neue Vertrag in dieser Form wirksam zustande gekommen ist.
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Verbraucherzentrale kritisiert schnelles Einschalten von Inkasso
Streitigkeiten um untergeschobene Verträge sind keine Seltenheit. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen verzeichnete allein im ersten Halbjahr 2026 über 24.000 Fälle. Quer durch alle Branchen, nicht nur in der Telekommunikation.
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg klagt derzeit sogar gegen Vodafone, wegen möglicher Verstöße gegen Verbraucherschutzvorschriften.
Anders als bei Giovanni Anello gehen diese Auseinandersetzungen manchmal sogar noch einen Schritt weiter: So schalte Vodafone trotz unklarer Vertragsgrundlagen häufig frühzeitig Inkassounternehmen mit ein.
Verbraucherschützer Oliver Buttler kritisiert, dass die Inkassounternehmen die Verbraucher anmahnen und unter Druck setzen würden, bevor geklärt sei, ob die Verträge überhaupt rechtsgültig seien. Schriftliche Widersprüche der Betroffenen würden dabei ignoriert.
Bei Giovanni Anello kommt es nicht so weit. Bei ihm schaltet sich kein Inkassounternehmen ein, denn er zahlt die geforderten Beträge. Wenn auch unter Vorbehalt.
Vodafone räumt Fehler ein
Anello bleibt hartnäckig, setzt sich weiter zur Wehr und könnte damit Erfolg haben. Denn auf Nachfrage erklärt Vodafone, es habe zwischen dem Verkäufer und Anello offenbar ein Missverständnis gegeben. Gleichzeitig räumt das Unternehmen Fehler bei der anschließenden Bearbeitung des Falls ein.
Anellos Widerrufsschreiben sei damals nicht ausreichend eingehend geprüft worden, teilt Vodafone mit. Auch nach einer erneuten Kontaktaufnahme wäre es aus heutiger Sicht sinnvoll gewesen, die Angelegenheit noch einmal genauer zu untersuchen.
Die entstandenen Kosten will Vodafone Anello nach eigener Aussage nun vollständig erstatten.
Schneller Wechsel, doppelte Kosten
Eigentlich wollte Giovanni Anello nur schnelleres Internet. Stattdessen hatte er plötzlich zwei laufende Verträge, zusätzliche Kosten und wochenlangen Ärger.
Nur weil er alles akribisch protokolliert hat und hartnäckig blieb, könnte er nun sein Geld vollständig zurückerhalten – einen Teilbetrag hat Vodafone schon erstattet.