Gewinner des Abends: „One Battle After Another”
Die 98. Academy Awards boten eine Oscar-Nacht ohne große Eklats und mit nur wenig wirklich erinnerungswürdigen Momenten.
Mit sechs Oscars wurde die Politthriller-Komödie „One Battle After Another“ zum Gewinner des Abends. Der Film, der zuvor auch bei den Golden Globes und den großen US-Kritikerpreisen ausgezeichnet worden war, gewann unter anderem den Preis für den besten Film. Paul Thomas Anderson wurde zudem für die beste Regie und das beste Drehbuch geehrt.
Schauspieler Sean Penn konnte seinen Preis als bester Nebendarsteller in Andersons Film nicht persönlich entgegennehmen. Es ist der dritte Oscar für Penn nach den Hauptdarsteller-Preisen für „Mystic River“ (2004) und „Milk“ (2009).
Vier Oscars für „Blood & Sinners“
Als ungewöhnlicher Favorit war „Blood & Sinners“ ins Rennen um die goldenen Trophäen gegangen. 16 Nominierungen hatte der Schwarze Südstaaten-Vampirfilm erhalten – mehr als je ein anderer Film in der Geschichte der Oscars.
Doch der Underdog-Siegeszug, der 2023 „Everything Everywhere All At Once“ gelungen war, blieb diesmal aus. Letztlich gewinnen konnte „Blood & Sinners“ nur vier Preise, darunter immerhin die prestigeträchtigen Auszeichnungen für das beste Originaldrehbuch, den besten Hauptdarsteller und die beste Kamera. Mit Autumn Durald Arkapaw ging der Preis erstmals an eine Kamerafrau.
Michael B. Jordan schlägt Timothée Chalamet im Hauptdarsteller-Match
Mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller wurde der 39-jährige Schauspieler Michael B. Jordan für seine exzellente Darbietung in „Blood & Sinners“ geehrt. Seine Oscar-Chancen waren in den vergangenen Tagen bei den Buchmachern deutlich gestiegen, nachdem Timothée Chalamet mit unbedachten Kommentaren zum Wert von Oper und Ballett in die öffentliche Kritik geraten war.
Sowohl Moderator Conan O’Brien als auch Oscar-Gewinner Alexandre Singh (bester Kurzfilm) griffen die Debatte auf. Der 30-jährige Schauspieler war für seine Leistung in „Marty Supreme“ zum dritten Mal für den Oscar nominiert worden.
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Verhaltene politische Statements
Bereits in seiner Eröffnung warnte Moderator Conan O’Brien, dass die diesjährigen Oscars politisch werden könnten. Dennoch verlief die Preisverleihung ohne größere Zwischenfälle. O’Brien selbst bemerkte die „chaotischen Zeiten“ und erinnerte daran, dass Filmschaffende aus 31 Nationen nominiert seien und Film eine internationale Kunstform sei.
Auch einen scharfen Seitenhieb auf die Epstein-Ermittlungen erlaubte sich der Moderator, als er bemerkte, dass in diesem Jahr keine britischen Darstellenden für die Schauspiel-Preise nominiert waren: „Immerhin verhaften sie ihre Pädophilen“.
Schauspieler Javier Bardem, der mit Priyanka Chopra den Preis für den besten internationalen Film präsentierte, forderte das Ende der Kriegshandlungen und solidarisierte sich mit Palästina.
Auch Moderator Jimmy Kimmel, der die Verkündung der Dokumentarfilm-Preise übernahm, übte Kritik an der schwindenden Meinungsfreiheit in den USA: Er strengte einen Vergleich zwischen Nordkorea und dem Sender CBS an, der wegen der Absetzung der „Late Show“ des Trump-Kritikers Stephen Colbert in die Kritik geraten war. Zudem spottete Kimmel über die 40 Millionen Dollar teure Amazon-Doku über First Lady Melania Trump.
Cassandra Kulukundis erhält ersten Casting-Oscar
Erstmals wurde in der fast 100-jährigen Geschichte der Academy Awards ein Preis für Castingregie vergeben. Über die Auszeichnung durfte sich Cassandra Kulukundis freuen, die den Preis für das Casting von „One Battle After Another“ bekam.
In der Vergangenheit zeichnete die Castingregisseurin unter anderem für Filme wie „There Will Be Blood“ (2007), „Her“ (2013) und den Best-Picture-Gewinner „The Brutalist“ (2024) verantwortlich.
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Billy Crystal und Barbra Streisand erinnern an Rob Reiner und Robert Redford
Im vergangenen Filmjahr verabschiedete sich Hollywood von einigen der ganz Großen der Branche. Entsprechend emotional zollte die Academy den Verstorbenen Tribut.
Schauspieler und Moderator Billy Crystal erinnerte an seinen Freund, Regisseur Rob Reiner, und dessen Frau Michele Singer Reiner. Beide waren am 14. Dezember 2025 in ihrem Haus in Los Angeles ermordet aufgefunden worden. Als mutmaßlicher Täter gilt ihr gemeinsamer Sohn Nick Reiner. Gemeinsam mit anderen Wegbegleitern Reiners zollte Crystal dem Regisseur Tribut, darunter auch Meg Ryan, die neben Billy Crystal die weibliche Hauptrolle in „Harry und Sally“ spielte.
Schauspielerin Rachel McAdams ehrte die verstorbenen Schauspielerinnen Claudia Cardinale, Catherine O’Hara und Diane Keaton. Letztere hatte 1978 einen Oscar für ihre Darbietung in „Annie Hall“ gewonnen.
In einer weiteren persönlichen Erinnerung würdigte Barbra Streisand ihren Freund und Schauspiel-Kollegen Robert Redford als einen „intellektuellen Cowboy“ in Hollywood. 1973 spielte sie an seiner Seite in „So wie wir waren“ („The Way We Were“). Streisand sang in Gedenken an Redford eine Passage aus dem Titelsong des Films.
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Seltener Oscar-Moment: Doppel-Sieg in der Kurzfilm-Kategorie
Die Kategorie Bester Kurzfilm hatte in diesem Jahr zwei Gewinner: „The Singers“ von Sam A. Davis und Jack Piatt und „Deux personnes échangeant de la salive“ von Natalie Musteata und Alexandre Singh erhielten gleich viele Stimmen der Academy-Mitglieder.
In den 98 Oscar-Jahrgängen ist dies erst sieben Mal geschehen. 1932 gewannen sowohl Fredric March als auch Wallace Beery für ihr Schauspiel in „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ und „Der Champ“. 1968 teilten sich Katharine Hepburn und Barbra Streisand die Auszeichnung für „Der Löwe im Winter“ und „Funny Girl“. Den letzten Gleichstand gab es 2012 in der Kategorie Sound-Editing.
Zwei Produktionen von ZDF und Arte ausgezeichnet
Deutschlands Oscar-Kandidat – „In die Sonne schauen“ von Regisseurin Mascha Schilinski – erhielt in diesem Jahr keine Nominierung. Der Preis für den besten internationalen Film ging dennoch an eine deutsche Koproduktion mit Beteiligung von ZDF und Arte: Joachim Triers starbesetzter Film „Sentimental Value“ war mit insgesamt neun Nominierungen von Norwegen ins Rennen geschickt worden.
Ebenfalls unter Beteiligung von ZDF und Arte produziert wurde der Dokumentarfilm-Gewinner „Ein Nobody gegen Putin“. Die deutsch-dänisch-tschechische Koproduktion ist aktuell in der Arte-Mediathek verfügbar.