Gut für Herz, Hirn und körperliche Gesundheit

Omega-3-Präparate: Was bringen Fischöl-Kapseln oder hochdosierte Pillen wirklich?

Sie stecken in Nüssen, Ölen oder Fisch - und wirken etwa entzündungshemmend. Viele nehmen Omega-3-Fettsäuren zusätzlich als Nahrungsergänzungsmittel. Doch wie sinnvoll ist das?

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Von Autor/in Simone Schaumberger

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Omega-3-Fettsäuren stecken in vielen Nahrungsmitteln. Sie sind wichtig für viele körperliche Funktionen, wirken entzündungshemmend und haben eine schützende Wirkung auf unsere Gefäße.

Der Körper kann die essenziellen Omega-3-Fettsäuren nicht selbst bilden. Sie müssen über die Nahrung aufgenommen werden. Anschließend werden die Fettsäuren etwa in Zellmembranen eingebaut und halten diese geschmeidig. Auch unterstützen sie Stoffwechsel, Herz und Gehirn.

Es gibt verschiedene Omega-3-Fettsäuren, je nach Quelle. Drei sind besonders wichtig:

  • Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA): sie stecken in fettem Fisch und Algen.
  • Alpha-Linolensäure (ALA): aus pflanzlichen Quellen wie Leinöl, Rapsöl oder Walnüssen. Sie wird im Körper in geringen Mengen zu EPA und DHA umgewandelt.

Wir haben die Alpha-Linolensäure, dann haben wir EPA und DHA. Diese beiden marinen Fettsäuren wirken entzündungshemmend. Die Alpha-Linolensäure wird aber – je nach Studie - nur zu fünf bis zehn Prozent umgewandelt in EPA und DHA - und hat damit nur einen kleineren, viel geringeren Anteil.

Studienlage: Nahrungsergänzungsmittel sind nicht empfehlenswert

Viele Menschen befürchten, dass sie durch die Nahrung zu wenig Omega-3 aufnehmen – und versprechen sich gesundheitliche Vorteile von Fischölkapseln oder Algenöl. Solche Omega-3-Produkte, meist als Kapseln oder Öle zu kaufen, finden sich etwa in Drogerien oder Supermärkten.

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Doch wie nötig sind solche Präparate? Sind Effekte wie eine vorbeugende Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System wissenschaftlich erwiesen? Die bislang größte Übersichtsstudie dazu stammt aus dem Jahr 2020.

In der Cochrane-Analyse wurden 86 Einzel-Studien mit insgesamt fast 163.000 Probanden erfasst. Dabei zeigte sich, dass EPA- und DHA-Fettsäuren die Konzentration bestimmter Blutfette – hier der Triglyzeride – bei den Studienteilnehmern im Schnitt um etwa 15 Prozent gesenkt hatten.

Die Zahl der Todesfälle oder Herz-Kreislauf-Ereignisse verringerte sich jedoch der Überblicksarbeit zufolge kaum oder gar nicht. Nur ein leichter Effekt zeigte sich durch die erhöhte Aufnahme von Omega 3-Fettsäuren im Hinblick auf koronare Herzkrankheiten.

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Kardiologe Prof. Dirk Westermann jedenfalls empfiehlt seinen Patientinnen und Patienten keine Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3. Es sei viel zur Frage geforscht worden, ob zusätzlich aufgenommene Omega-3-Fettsäuren einen positiven Effekt mit Blick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben könnten, sagt Westermann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Uniklinikum Freiburg.

Denn: Es gebe viele Daten dazu, dass Omega-3-Fettsäuren grundsätzlich wichtig seien. Ein eindeutiger Nutzen aber habe sich dabei nicht gezeigt:

Bei denen, die das niedrig dosiert haben, war niemals ein Effekt nachzuweisen. Bei denen, die hochkonzentrierte Medikamente mit Omega-3-Fettsäuren hatten, gibt es mehrere Studien, die einen Benefit gezeigt haben, andere aber, die keinen Benefit gezeigt haben.

EPA ist besonders praktisch bei Blutgerinnung

Ob, wie und in welcher Dosierung Präparate mit Oega-3-Fettsäuren also zur Senkung etwa eines Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen können, blieb bislang also weitgehend unklar.

Warum einige Studien dazu positive, andere hingegen gar keine Effekte zeigten, wollten Forscher des Universitätsklinikums und der Universität Düsseldorf genauer untersuchen – und schauten sich im Rahmen einer kürzlich veröffentlichten Studie verschiedene Fettsäuren genauer an.

Dabei stellten sie fest, dass für eine positive Wirkung insbesondere die Omega-3-Fettsäure EPA eine zentrale Rolle zu spielen scheint.

Alle Studien, in denen man eine Reduktion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesehen hat, haben EPA verwendet - hochdosiert und in aufgereinigter Form. Die Studien, die keine Reduktion gezeigt haben, haben in der Regel EPA- und DHA-Mischpräparate verwendet.

Um den schützenden Effekt von EPA in hochdosierter Form zu erklären, wurde die Wirkung der Fettsäure auf die Blutplättchen genauer untersucht. Diese sind ein zentraler Bestandteil der Blutgerinnung – und können dazu führen, dass sich Gerinnsel in Gefäßen bilden – und somit wiederum zu einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall.

Blutplättchen sind ein zentraler Bestandteil der Blutgerinnung. Wenn man sich schneidet und ein Gefäß verletzt ist, sind die Blutplättchen die ersten Zellen, die da an den Ort der Verletzung kommen und ein kleines Gerinnsel bilden, damit die Blutung stoppt. Das ist natürlich sehr positiv. Andererseits können aber überaktive Blutplättchen auch dazu führen, dass sich Gerinnsel in Gefäßen bilden, wo wir es nicht möchten, und da dann zum Beispiel zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen können.

Die Forscher entnahmen Blut von gesunden Probanden sowie von Patienten, die EPA einnahmen, und untersuchten die Blutplättchen. Dabei analysierten sie, wie stark die Plättchen unter verschiedenen EPA-Konzentrationen an die Gefäßwand anlagern, verklumpen und bestimmte Botenstoffe freisetzen. Außerdem überprüften sie die Wirkung von EPA in einem Tierversuch.

Bisher wusste man von den Omega-3-Fettsäuren, dass sie einen schützenden Effekt auf die Gefäßwände und auch eine sehr entzündungshemmende Wirkung hatten. Wir konnten jetzt erstmals zeigen, dass auch die Blutplättchen gehemmt werden, die wiederum verantwortlich sind für Gerinnsel und Herzinfarkt und Schlaganfall.

EPA-Medikament nicht mehr in Deutschland erhältlich

Die Erkenntnisse würden also bedeuten, dass sich die Gefahr von Gerinnseln und damit auch von Herzinfarkt oder Schlaganfall durch die Einnahme von EPA verringern ließe. Allerdings zeigte sich der hemmende Effekt auf die Blutplättchen nur unter einer hochdosierten Behandlung mit reinem EPA.

Das gibt es nur als Medikament – und in Deutschland ist dieses inzwischen nicht mehr erhältlich. Das Mittel, das im Rahmen der Studie eingesetzt wurde, sei auch anschließend noch auf dem deutschen Markt verfügbar gewesen, sagt Prof. Dr. Amin Polzin, Kardiologe am Uniklinikum Düsseldorf.

Dann gab es keine Einigung zwischen dem Bund der Krankenkassen und der Firma, was ein sinnvoller Preis wäre und wie das auf dem deutschen Markt weiter zur Verfügung gestellt werden könnte, sodass die Firma sich dann aus dem deutschen Markt zurückgezogen hat.

Die Forscher aus Düsseldorf warnen allerdings davor, nun einfach hochdosiert Omega-3-Präparate zu sich zu nehmen. So habe sich etwa auch gezeigt, dass sich durch die Einnahme in bestimmten Fällen das Risiko für Vorhofflimmern erhöht.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät deshalb, Patienten mit Herzerkrankungen oder entsprechenden Risikofaktoren Nahrungsergänzungsmittel nur in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt einzunehmen. Der Kardiologen Prof. Dirk Westermann empfiehlt gar keine Omega-3-Präparate.

Es gibt keinerlei Nahrungsergänzungsprodukte, die einen nachgewiesenen Benefit, also eine Verbesserung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Was wir relativ genau wissen, ist, dass die Einnahme gerade von Omega-3-Fettsäuren unkontrolliert - und das tut man, wenn man Ernährungsergänzungsprodukte nimmt - auch das Vorhofflimmern triggern könnte, also eine Herzrhythmusstörung.

Auf eine ausreichende Versorgung von Omega-3-Fettsäuren über die Ernährung zu achten, lohnt sich aber durchaus. Menschen, die keinen Fisch essen, empfiehlt die Diätassistentin und Ernährungsberaterin Martina Amon beispielsweise, ab und zu Algenöl in die Ernährung einzubauen.

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