So sinnvoll ist es Geld in ETFs, Fonds und Aktien anzulegen

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip: Geld anlegen ist besser als es auf dem Konto "vergammeln" zu lassen

Wir haben mit Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip darüber gesprochen, warum es sinnvoll ist, Geld in Aktien, ETFs oder Fonds anzulegen – auch im Alter.

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Die Deutschen sparen wie die Weltmeister. Etwas mehr als zehn Billionen Euro haben Deutschlands Privathaushalte gespart. Eine eins mit 13 Nullen – und da sind Immobilienwerte nicht mal mit eingerechnet. Die DZ-Bank trägt diese Zahlen halbjährlich zusammen. Laut denen spart jeder Bürger durchschnittlich rund 270 Euro pro Monat.

 

SWR1: Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur beim Geldratgeber Finanztip und weiß: Viel gespart haben wir Deutschen schon immer – in Sachen Geldanlage waren wir aber etwas hintendran. Das ist besser geworden, sagen Sie. Aber welche Spar- oder Anlagemöglichkeiten nutzen wir noch zu wenig?

Hermann-Josef Tenhagen: Wir nutzen immer noch zu wenig die Möglichkeiten, die der Aktienmarkt bietet. Es liegen etliche Billionen Euro auf Tagesgeldkonten, auf Girokonten, auf Konten, wo man täglich dran kann. Und die bringen in vielen Fällen überhaupt keine oder nur eine sehr schmale Rendite.

Genau das ist der Fehler. Wenn sie da nur seit Jahren fürs nächste Jahr, das neue Auto oder die Spülmaschine liegen würden, wäre es in Ordnung. Aber wenn sie da zehn Jahre liegen und sie haben zehn Jahre Inflation. Und sie kriegen zehn Jahre praktisch keine Zinsen, dann ist das für den Sparer wirklich keine gute Lösung.

ETFs, Aktien, Fonds – Geld anlegen ist sinnvoll – Geld lange auf dem Konto lassen ist keine gute Lösung!

SWR1: Jetzt vermeldet das deutsche Aktieninstitut aber ganz frisch die Zahlen für 2025 in Sachen Aktionäre. Da gibt es ein Rekordhoch! Mehr als 14 Milliionen legen ihr Geld in ETFs oder auch in Aktien und Fonds an. Das heißt auch, dass die Aktienanlagen sich mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft verankert haben. Das passt dann nicht so ganz zu dem, was Sie eben noch gesagt haben.

Tenhagen: Machen wir mal ganz einfach ein bisschen Mathematik. Also wir haben 80 Millionen Leute in der Republik, davon sind – sagen wir mal – 15 Millionen Kinder. Dann bleiben 65 Millionen über, wenn von denen 14 Millionen eine Form von Aktien oder Fonds haben, dann ist das schon ein beträchtlicher Anteil [...], aber es ist nicht so, dass die Mehrheit der Leute das schon nutzen würde, das ist der erste Teil.

Finanzexperte Tenhagen: Auf dem Konto "vergammelt" das Geld – besser in Aktien, ETFs oder Fonds anlegen

Der zweite Teil ist das, was ich eben gesagt habe: Ein Drittel des Geldvermögens liegt tatsächlich auf solchen tagesfälligen Konten. Das bedeutet, dass dieses Geld da tatsächlich so ein bisschen vergammelt und keine Zinsen bringt.

SWR1: Mit dem Ersparten irgendwie ein Vermögen aufbauen, das ist das eine, Altersvorsorge ist das andere. Was kann ich denn Sinnvolles tun, wenn ich jetzt schon über 50 bin?

Tenhagen: Wenn Sie über 50 sind, wissen Sie schon, ob Sie eine gesetzliche Rente haben und wie hoch die wird. [...] Sie wissen schon, ob sie vielleicht Ihre Immobilie haben und die vielleicht bald abbezahlt haben. Sie wissen möglicherweise, dass ihre Kinder demnächst aus dem Haus gehen oder schon aus dem Haus gegangen sind, das heißt: sie haben einen Tausender zusätzlich im Monat zur Verfügung.

Das heißt: Sie können sehr, sehr viel tun für die Altersvorsorge [...] und sie können auch einen guten Teil dieses Geldes langfristig am Kapitalmarkt anlegen, mit der besseren Chance auf Rendite. [...] Sie sind ja nicht gezwungen, mit 65 das alles zu verkaufen, sondern wir können das einfach da stehen lassen und jedes Jahr so viel davon runter nehmen, wie sie in dem Jahr brauchen. Denn, die Brötchen, die Miete – die wird hoffentlich von der gesetzlichen Rente bezahlt.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Steffi Stronczyk
Steffi Stronczyk
Interview mit
Hermann-Josef Tenhagen, Finanztip
Onlinefassung
SWR1 Rheinland-Pfalz
Eins gehört gehört. SWR1. (Schriftzug SWR1 auf gelbem Hintergrund)