Geschmack und Inhaltsstoffe

So lecker und gesund sind unsere Äpfel - alte und neue Sorten

Da kann kein anderes Obst mithalten: Äpfel sind günstig, regional, enthalten viele gesunde Polyphenole, sind perfekt als Snack und vielfältig zu verarbeiten. Tipps für Allergiker.

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Stand

Von Autor/in Sabine Schütze

Wetterextreme haben unseren Äpfeln, besonders im Südwesten, dieses Jahr zugesetzt. Früchte, die nicht schon komplett vom Hagel vernichtet worden sind, vertrocknen durch die Hitze teilweise direkt am Baum.

Viele bleiben kleiner durch die lange Trockenheit oder haben Sonnenbrand und sind deshalb nicht mehr zu vermarkten. Nur wenige Äpfel haben es dieses Jahr geschafft, zu Premiumware heranzureifen.

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Äpfel waren lange unser liebstes Obst. Doch unsere Lust auf Äpfel lässt seit vier Jahren nach. Inzwischen essen wir hierzulande mehr Orangen und Mandarinen, also Zitrusfrüchte, als Äpfel.

Das ist schade. Denn Äpfel sind einheimische Früchte, mindestens genauso gesund und sie werden in einer großen Sortenvielfalt angeboten. Das sollten wir nutzen.

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Apfelsorten: Klassiker und Clubäpfel

Typische bekannte Tafeläpfel sind der aromatische Elstar, der saftige Braeburn und die süßen Sorten Gala und Jonagold. Auch der milde gelbliche Golden Delicious gehört dazu.

In den letzten Jahren haben Clubäpfel wie Kanzi und Pink Lady an Bedeutung zugenommen. Das sind keine Sortennamen, sondern eine Markenbezeichnung. Die Sorte von Pink Lady zum Beispiel heißt Cripps Pink. Clubäpfel kommen nur als Premiumware mit klar definierten Ansprüchen in den Handel.

Als neuere Sorte im Handel gibt es den Wellant, der mit seinem intensiven, süß-säuerlichen Geschmack zunehmend beliebter wird.

Ältere Apfelsorten in und vor einem Korb, auch aufgeschnitten: Ältere Apfelsorten sind oft weniger süß als neue Züchtungen.
Ältere Apfelsorten sind oft weniger süß als neue Züchtungen. Redeleit

So unterschiedlich schmecken unsere Äpfel

Vom alten Boskoop zum neuen Wellant - jede Apfelsorte hat ihren eigenen Geschmack von süß-fruchtig bis säuerlich-herb und hat ihre Liebhaberinnen und Liebhaber.

Äpfel der Sorte Boskoop am Baum
Der Boskoop gehört zu den alten Sorten. Er schmeckt kantig, herb-säuerlich und wunderbar frisch. Deshalb ist der Boskoop der perfekte Kuchenapfel und ein Genuss für Menschen, denen die süßen neuen Sorten zu langweilig sind. Waldemar Bögel Bild in Detailansicht öffnen
Äpfel der Sorte Baeburn am Baum
Der sattrote Braeburn mit seinem festen Fruchtfleisch schmeckt süß-säuerlich und ist sehr saftig. Er ist ausgesprochen aromatisch. ZOONAR Bild in Detailansicht öffnen
Äpfel der Sorte Cox Orange
Der ältere englische Cox Orange besticht durch sein säuerliches Aroma mit leicht süßer Unternote. Die kleineren Äpfel mit festem Fruchtfleisch sind sowohl was für Feinschmecker als auch für Backfreundinnen. Newscom World Bild in Detailansicht öffnen
Äpfel der Sorten Delbare am Baum
Delbare gehört zu den süßen und milden frühen Äpfeln. Delbare ist durch sein ausgewogenes Aroma vielseitig nutzbar. Anno Burgi Bild in Detailansicht öffnen
Äpfel der Sorte Elstar am Baum
Der bekannte Elstar schmeckt fruchtig, leicht aromatisch und hat eine zarte Säure. Deshalb steht die natürliche Süße im Vordergrund. Breuel-Bild Bild in Detailansicht öffnen
Äpfel der Sorte Gala am Baum
Der kleinere Gala mit seinem festen Fruchtfleisch ist sehr saftig und bietet einen milden und süßen Geschmack. Aufgrund der geringen Säure überwiegen honigartige und blumige, fast vanillige Aromen. Eibner Bild in Detailansicht öffnen
Äpfel der Sorte Golden Delicious
Der helle Golden Delicious ist aufgrund seines sehr süßen und leichten Geschmacks beliebt. Das milde Aroma und sein lockeres Fruchtfleisch funktionieren immer. ZOONAR Bild in Detailansicht öffnen
Äpfel der Sorte Jonagold
Der große Jonagold vereint eine süße, honigähnliche Note mit einer frischen und leichten Säure. Dazu kommt ein saftig lockeres Fruchtfleisch, was ihn zu einem beliebten Tafelapfel macht. ZOONAR Bild in Detailansicht öffnen
Clubäpfel Kanzi am Baum
Der Clubapfel Kanzi ist eine Kreuzung aus den Sorten Gala und Braeburn. Deshalb schmeckt er süß, leicht-würzig. Er ist saftig aromatisch. Zoonar Bild in Detailansicht öffnen
Clubäpfel Pink Lady am Baum
Pink Lady ist ebenfalls ein Clubapfel, dessen Sortenbezeichnung Cripps Pink ist. Er schmeckt ausgesprochen süß mit einer sehr dezenten Säure, was als intensiv fruchtig empfunden wird. UIG Bild in Detailansicht öffnen
Äpfel der Sorte Champagner Renette am Baum
Renetten sind alte Äpfel, die es in vielfältigen Untersorten gibt. Die edle Champagner Renette besticht mit ihrer einzigartigen Geschmackstiefe, die durch ein feines, süß-säuerliches Aroma und dem saftigen Fruchtfleisch zustande kommt. Waldemar Bögel Bild in Detailansicht öffnen
Äpfel der Sorte Topaz am Baum
Der Topaz ist ein typischer Winterapfel und hat einen ausgewogenen süß-säuerlichen Geschmack. Er schafft eine Harmonie zwischen Fruchtigkeit und dezenter Säure. ZOONAR Bild in Detailansicht öffnen
Äpfel der Sorte Wellant am Baum
Der Wellant ist eine neuere Apfelsorte. Er schmeckt intensiv und süß-säuerlich. Das knackige Fruchtfleisch macht Spaß beim Essen. Rech Bild in Detailansicht öffnen

Alte Apfelsorten und ein neuer Allergiker-Apfel

Und dann gibt es noch herbe alte Apfelsorten, die fast nur auf Streuobstwiesen zu finden sind, zum Beispiel verschiedene Renetten und die aromatisch kräftige Gewürzluike. Von Apfelallergikern werden sie aus gutem Grund meist gut vertragen. Später dazu mehr.

Meines Wissens ist der säuerlich-kräftige Boskoop die einzige alte Apfelsorte, die im Handel noch eine größere Rolle spielt. Mein Lieblingsapfel!

Seit Mitte November 2025 gibt es einen besonderen allergikerfreundlichen Apfel - er heißt "Pompur". Er ist vom Europäischen Zentrum für Allergieforschung als erster Apfel entsprechend zertifiziert. Pompur produziert nicht mehr das allergieauslösende Eiweiß, auf das die meisten Allergiker reagieren.

Apfel aufschneiden
Apfelspalten sind immer beliebt photohek

Ein Apfel täglich hält uns gesund und in Form

An apple a day keeps the doctor away - das stimmt tatsächlich fast. Denn auch wenn auf den ersten Blick die Vitamin- und Mineralstoffmengen des Apfels lediglich durchschnittlich sind, sind sie doch nennenswert.

Immerhin enthält ein Apfel rund ein Milligramm Eisen und liefert auch gleich noch das Vitamin C mit, damit das Eisen gut von unserem Körper aufgenommen werden kann.

Als bestes natürliches Heilmittel sind Äpfel aber aus anderen Gründen bekannt. Keine Frucht kommt Verdauungsproblemen wie Durchfall und Darmentzündungen besser bei.

Das hat zwei Gründe: die Polyphenole und die Pektine. Letztere verdicken als Ballaststoffe den Darminhalt, ohne zu Verstopfungen zu führen. Ideal für eine gute Verdauung.

Äpfel machen nicht nur gesund, sie machen auch satt. Das Pektin hält den Blutzuckerspiegel länger auf einem Niveau. Und solange der nicht in den Keller fällt, gibt es kein Hungergefühl.

Die genialste Geheimwaffe in älteren Apfelsorten sind aber die antioxidativ wirkenden und entzündungshemmenden Polyphenole.

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Polyphenole: Schutzstoff und Vorteil für Allergiker

Diese sekundären Pflanzenstoffe geben dem Apfel seinen säuerlich-aromatischen, leicht herben Geschmack und seine Farbe. Stark konzentriert sitzen sie in und direkt unter der Schale.

Polyphenole sind apfeleigene Abwehrstoffe, die beispielsweise vor Schimmelpilzen schützen. Ältere Apfelsorten müssen deswegen auch seltener gespritzt werden. Sie enthalten meist mehr Polyphenole als neuere Züchtungen, die deutlich süßer sind.

Alte Sorten wie Boskoop, Alkmene, Berlepsch und Goldparmäne enthalten bis zu vier Mal so viele Polyphenole! Und das macht noch einen Unterschied - und zwar für Allergiker. Sie vertragen diese alten herben Sorten meist, weil die Polyphenole das Allergen blockieren.

Besonders das Quercetin gilt als natürlicher Histaminhemmer und kann helfen, allergischen Juckreiz, tränende Augen und Entzündungen zu reduzieren. Beim Verarbeiten bzw. Erhitzen bleiben diese tollen sekundären Pflanzenstoffe übrigens erhalten.

Deshalb nicht vergessen: Äpfel immer MIT Schale genießen und verarbeiten.

aufgeschnittener Apfel
Äpfel sind gesund, enthalten neben Ballaststoffen auch entzündungshemmende Polyphenole und andere Vitalstoffe localpic

Apfelallergie: So werden Äpfel verträglicher für Allergiker

Wichtig zu wissen für Menschen, die gegen Äpfel allergisch sind:

  • möglichst frische Äpfel essen

Je frischer ein Apfel, desto weniger allergen wirkt er. Denn mit der Lagerung werden auch die allergenen Eiweißstrukturen stabiler.

  • Äpfel schälen

Die allergenen Eiweißstrukturen sitzen ebenfalls hauptsächlich in und direkt unter der Schale. Deswegen hilft Allergikern in diesem Fall, die Äpfel zu schälen - zumindest bei den süßen Äpfeln mit wenigen Polyphenolen.

  • Äpfel kochen oder reiben

Auch die Zubereitungsart entscheidet über die Verträglichkeit des Apfels. Gekochte und geriebene Äpfel werden von Allergikern besser vertragen, weil das allergieauslösende Eiweiß sehr empfindlich ist. Durch die Verarbeitung wird das Eiweiß verändert, so dass die meisten Allergiker roh geriebene Äpfel und gekochtes Apfelmus vertragen.

  • Experten-Tipp: Ab in die Mikrowelle mit dem Apfel

Ein Tipp von den Experten beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB): Den Apfel eine Minute bei 600 Watt in die Mikrowelle geben. Das hilft, das Allergiepotenzial deutlich zu verringern.

Apfelkuchen nah
Klassischer Apfelkuchen geht immer Wolfram Weber

Äpfel in der Küche: leckere Ideen von süß bis herzhaft

  • Äpfel in Kuchen und Torten

Ich habe gelernt, frische Äpfel nicht mehr in hübschen Obstschalen anzubieten, sondern nur noch fertig aufgeschnitten als Apfelspalten. Dann greifen garantiert alle zu. Das ist einfach und wirkungsvoll.

Eine andere Möglichkeit, meinen Liebsten zuhause frischen Apfel unterzujubeln ist eine Apfeltorte mit frischen geraspelten Äpfeln als Belag. Die Torte ist schnell gemacht und erfrischend.

Rezept Apfeltorte mit frisch geriebenen Äpfeln:

Apfelriemchen, gedeckter Apfel, Apfelplunder, Schwedische Apfeltorte – es gibt unzählige leckere Varianten weiterer Apfelrezepte für den Nachmittagskaffee. Da lässt sich quasi jedes Mal etwas anderes backen.

  • Äpfel als Dessert

Apfelmus oder stückig eingekochte Äpfel sind ganz wunderbare Desserts oder Zutaten für Desserts wie etwa Apfel-Tiramisu. Ich selbst liebe Milchreis mit Apfelmus und Zimt. Dabei fällt mir ein, habe ich schon lange nicht mehr gegessen….

  • Äpfel (trocken) einkochen

Und apropos einkochen: Apfelstücke lassen sich auch wunderbar trocken einkochen. Das klappt ganz einfach.

Die Apfelstücke kommen ohne weitere Flüssigkeit ins Schraub- oder Einmachglas und werden rund 40 Minuten lang eingekocht. Das erhält Geschmack und Konsistenz recht gut.

Im Schnellkochtopf geht es natürlich am schnellsten. Die eingekochten Apfelstücke sind perfekt für Müslis, Bowls und Kuchen außerhalb der Apfelsaison.

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  • Apfel mal herzhaft

Äpfel schmecken auch in herzhaften Gerichten. Im Winter als Teil einer leckeren Bratensauce zum Beispiel.

Ich nutze Äpfel sehr gern in Salaten - nicht nur im Karottensalat, auch in Coleslaw, also Krautsalat, in Rote-Bete-Salat und mit Spitzkohl kombiniert. Diese fruchtige süß-säuerliche Komponente passt eigentlich immer. Bei mir sind Apfelstückchen auch fester Bestandteil im Kartoffelsalat.

Darum lohnen sich Äpfel für uns

Es gibt viele gute Gründe, wieder häufiger zu Äpfeln zu greifen.

Äpfel sind besonders angesichts der gestiegenen Lebensmittelpreise ein preiswertes Obst. Sie sind gesund und lassen sich auch vielfältig in der Küche verarbeiten.

Äpfel wachsen bei jedem von uns um die Ecke, sind nachhaltige, einheimische Früchte.

Und vielleicht ist die schwierige Apfelernte dieses Jahr auch eine Einladung für uns Verbraucherinnen und Verbraucher, mal Früchte zu kaufen, die nicht perfekt sind - wenn sie der Handel überhaupt anbietet. Der nimmt nämlich fast nur Premiumware, obwohl auch Äpfel mit kleinen Fehlern schmecken und die gleichen gesunden Inhaltsstoffe haben. Möglicherweise liegt die Zurückhaltung des Handels auch daran, dass wir im Supermarkt lieber zur perfekt aussehenden Ware greifen.

Aber irgendwie sollten wir uns davon mal lösen und uns erinnern, dass Äpfel ein Naturprodukt sind. Und zwar ein ganz Wunderbares!

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