Gefühle sind ein Navigationssystem im Leben.
Der Weg zu einem glücklichen Leben
Lukas Klaschinski widmet sich als Psychologe, Podcaster und Autor den Emotionen in all ihrer Vielfalt. Und er rät auch anderen Menschen sich mehr mit ihren Gefühlen zu beschäftigen.
Beispielsweise seien Männer in unserer Gesellschaft häufig noch immer sehr verschlossen, wenn es um Verletzlichkeit geht. Dazu gehören Gefühle wie Traurigkeit, Angst oder Scham. Es gebe noch immer das Bild, Männer müssten "hart und stark" sein. Aufgrund der Sozialisierung betreffe dies mehr Männer als Frauen, es komme aber auch bei Frauen vor.
Er selbst habe seine Prägungen im Leben erst langsam aufschlüsseln können und er sei noch immer auf dem Weg dahin. "Das ist die Reise zur Freiheit, zu besseren Beziehungen und für mich ganz persönlich auch zu einem lebenswerteren Leben", so Lukas Klaschinski.
Wir denken alle, wir sehen die Welt, wie sie ist. Aber wir sehen die Welt durch die Brille unserer Prägung.
Lukas Klaschinski: Nahtoderfahrung verändert sein Leben
Ein dramatisches Erlebnis beim Kitesurfen in Südafrika, bei dem Lukas Klaschinski dachte, er würde sterben, war der Auslöser für ihn, sich tiefgehend mit der Frage zu beschäftigen: "Wie lebe ich mein Leben?". Oft gebe es eine Diskrepanz zwischen unserer "inneren Wahrheit", was wir spüren, und dem, wie wir unser Leben letztlich ausleben.
Lukas Klaschinski sagt, ihm sei bewusst geworden, dass er sein Leben wie hinter einer Milchglasscheibe gelebt habe. Gefühle wie Angst, Traurigkeit und Scham habe er nicht zugelassen, obwohl auch sie das Leben ausmachen. Stattdessen habe er immer "den harten Macker" gegeben.
Das hat verhindert, dass ich in engen Kontakt gekommen bin mit den Menschen, die mir wirklich wichtig sind. Ich habe gar nicht so dieses Gefühl von Lebendigkeit gehabt und da war ich sehr traurig drüber.
Darum verdrängen wir Gefühle häufig
Es liegt nahe, dass wir versuchen bestimmte Gefühle zu vermeiden, weil sie sich sehr unangenehm im Körper anfühlen. Sich ihnen zu stellen, kann daher erstmal eine große Herausforderung sein. Aber dadurch bekomme man auch ein großes Geschenk, so Klaschinski: sich wieder viel verbundener mit Menschen zu fühlen.
Mithilfe der Akzeptanz- und Commitmenttherapie habe er sich schrittweise seinen eigenen Gefühlen wieder angenähert.
So gelingt mehr Achtsamkeit
Eine Achtsamkeitsübung lässt sich sofort durchführen, sagt Lukas Klaschinski: Kurz innehalten, nichts tun und einen "inneren Körperscan" machen. Bewusst durch den eigenen Körper gehen und spüren, wie sich zum Beispiel gerade die Augen anfühlen, die Nase, die Brust...
Gefühle zeigen sich immer als körperliche Empfindung. Diese wahrzunehmen, das ist der erste Schritt.
Unsere Gefühle besser in den Griff bekommen
Wichtig: Wir müssen nicht immer alles tun, was uns unsere Gefühle sagen. Wir müssen sie hören und schauen: "Ist das jetzt gerade für die Situation angemessen?", so Klaschinski. Reagieren wir auf eine Situation übermäßig emotional, könne dies ein Hinweis darauf sein, dass Affekte aus der Vergangenheit eine Rolle spielen.
Als Beispiel nennt er seine Oma, die anfange zu weinen, wenn sein Neffe Kopfschmerzen habe. Sie habe in ihrer eigenen Vergangenheit extrem häufig Kopfschmerzen gehabt, ohne dass ihr dabei wirklich geholfen wurde. Sie projiziere daher ihren eigenen Schmerz auf den des Jungen.
Tipps: So bekommen wir Zugang zu unseren Emotionen
- Tempo und die ständige Ablenkung in unserem Alltag rausnehmen. Mehr in den Moment kommen und mehr ins Erleben, was gerade passiert, weil wir sonst Beziehungsmomente verpassen.
- Mehr in die Akzeptanz kommen zu dem, was gerade in uns vorgeht und es spüren. Dann kommen wir in den "Raum zwischen Reiz und Reaktion" und können immer mehr das machen, was wir wirklich wollen, so Lukas Klaschinski.