Die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März markiert das Ende einer Ära. Für Winfried Kretschmann wird ein Nachfolger gesucht, nach 15 Jahren im Amt tritt Deutschlands erster und bisher immer noch einziger grüner Ministerpräsident nicht mehr an. Aussichtsreichster Kandidat für Kretschmanns Nachfolge ist nach den letzten Umfragen Manuel Hagel. Der junge CDU-Landes- und Fraktionschef geht als Spitzenkandidat seiner Partei ins Rennen und peilt bei der Landtagswahl den nächsten Karriereschritt an.
Manuel Hagel war bisher immer der Jüngste. Im Gemeinderat von Ehingen (Alb-Donau-Kreis), in den er mit 21 Jahren gewählt wurde und dem er heute noch angehört. Auch im Kreistag des Alb-Donau-Kreises ist er nach wie vor gewähltes Mitglied. Der jüngste Abgeordnete seiner Partei war er auch bei der Landtagswahl im Jahr 2016. Mit gut 36 Prozent erzielte der damals 28-Jährige im Wahlkreis Ehingen landesweit das beste Ergebnis aller CDU-Abgeordneten.
Hagel wäre der jüngste Regierungschef Deutschlands
Kurz darauf kürte ihn die Partei zum Generalsekretär, wieder war Hagel der Jüngste. Ebenso als Fraktionschef. Das Amt hat er nach der Landtagswahl 2021 übernommen. Und vor gut zwei Jahren wurde er CDU-Landesvorsitzender und löste in dieser Funktion Thomas Strobl ab. Und wenn Manuel Hagel sein großes Ziel erreichen und Ministerpräsident in Baden-Württemberg werden sollte, wäre er mit 37 Jahren - beziehungsweise bei der Konstituierung der neuen Landesregierung dann mit 38 Jahren - der jüngste Regierungschef Deutschlands.
Hagel hat in jungen Jahren eine steile Karriere in der Politik hingelegt und ist es mittlerweile gewohnt, immer der Jüngste zu sein. Er hält es beim Thema Jugend mit einem seiner Vorbilder, dem früheren CDU-Ministerpräsidenten Erwin Teufel: "Als ich im Jahr 2016 Generalsekretär geworden bin und die Zeitungen alle geschrieben hatten: Ist der nicht zu jung? Da hat mich damals Erwin Teufel angerufen und gesagt: Jeder, der ein Thema hat mit dem Alter, dem kannst du sagen, das wird mit jedem Tag ein kleines bisschen besser."
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Polit-Aufsteiger mit Blitzkarriere
Hagel hat immer rasch zugegriffen, wenn sich eine Chance ergeben hat. Nach der Landtagswahl im Jahr 2021 hat er schnell erkannt, dass es für ihn die Möglichkeit gibt, in einer ziemlich zerstrittenen Fraktion den Vorsitz zu übernehmen. Und es ist ihm in den vergangenen Jahren gelungen, den Laden zusammenzuhalten und die Fraktion einigermaßen zu einen. Ähnliches gilt in den vergangenen zwei Jahren für den Parteivorsitz. Bis dahin hatte die einst erfolgsverwöhnte CDU in Baden-Württemberg vor allem einen Gegner: sich selbst.
Trotz des schnellen Zupackens im Laufe seiner Turbo-Karriere kann Manuel Hagel auf der anderen Seite auch abwarten und taktieren. Sein Hobby ist die Jagd. Da lernt man, auf den richtigen Moment zu warten, wie er vor vielen Jahren in einem SWR-Interview erzählt hat: "Für mich als Jäger ist immer die tollste Zeit, wenn ich zwei, drei Stunden beim Ansitzen bin." Beim Ansitzen lauert der Jäger dem Wild an geeigneter Stelle auf. Mag sein, dass der CDU-Newcomer sich dabei einiges für sein politisches Jagdverhalten abgeschaut hat.
Offene Wunde für die Christdemokraten
Jetzt nimmt Hagel die Villa Reitzenstein ins Visier, den Regierungssitz des Ministerpräsidenten in Stuttgart. Satte 58 Jahre lang hat die CDU dort residiert und die Ministerpräsidenten gestellt. Bis dann im Jahr 2011 der Grüne Winfried Kretschmann die Regierungsgeschäfte übernahm. Das ist bis heute eine offene Wunde für die Christdemokraten. Lange haben sie den Regierungswechsel nicht verwunden.
Erst schickte Kretschmann sie in die Opposition, dann waren sie Junior-Partner in einem grün-schwarzen Kabinett unter dem beliebten Landesvater. Der Stachel für die einstige Regierungspartei CDU sitzt immer noch tief, auch deshalb hat Manuel Hagel bereits im Herbst 2023 bei seiner Wahl zum Landesvorsitzenden ein klares Ziel ausgegeben: "Ich verspreche eines für unsere CDU: Das politische Erbe von Winfried Kretschmann wird bei uns in guten Händen sein."
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Familienmensch von der Alb rechnet sich Chancen aus
Manuel Hagel stammt aus Ehingen im Alb-Donau-Kreis, wo er 1988 geboren ist und auch heute mit seiner Familie lebt. Er ist verheiratet und Vater von drei kleinen Söhnen. Hagel hat Bankkaufmann gelernt und später den Bankbetriebswirt gemacht. Er war Sparkassenchef in seiner Heimatstadt Ehingen und kann demzufolge rechnen. Heißt für die Landtagswahl: Angesichts der Umfragen rechnet sich der gelernte Banker und CDU-Spitzenkandidat gute Chancen aus, Ministerpräsident zu werden und in die Fußstapfen von ehemaligen CDU-Größen zu treten.
Hagel verweist darauf, dass es in der CDU gute Tradition sei, dass sich der Fraktionsvorsitzende zutraue, die nächste Landesregierung anführen zu können. Wie Lothar Späth, Erwin Teufel oder Günter Oettinger - alle Vorbilder Hagels. Die Umfragen sprechen bislang für die CDU. Doch im Gegensatz zu Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir ist Manuel Hagel bei den Wählern kaum bekannt. Für mehr als die Hälfte der Baden-Württemberger ist er ein völlig unbeschriebenes Blatt, von dem sie noch nie gehört haben.
Hoffnungsträger der CDU
Trotzdem gilt der junge Politiker von der Schwäbischen Alb in der einst zerstrittenen Landes-CDU als Hoffnungsträger. Weil er für Aufbruch steht und es geschafft hat, die Partei auf eine Linie zu bringen. Trotz seiner jungen Jahre gilt Hagel als konservativ und werteorientiert. Dabei grenzt er sich und seine Partei von der AfD allerdings klar ab. Auf dem Landesparteitag im Dezember hat er die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestufte Partei zum Hauptgegner bei der Landtagswahl erklärt und gesagt: "Es wird um die Frage gehen: wir oder die AfD. Die CDU Baden-Württemberg wird mit diesen Leuten weder kollaborieren, noch wird sie koalieren. Wir sind das Bollwerk gegen die AfD."
Manuel Hagel weiß genau, dass potentielle Protestwähler am Ende für seine Partei Stimmen kosten könnten. Vom Abschneiden der AfD kann letztendlich auch abhängen, wer neuer Ministerpräsident in Baden-Württemberg wird. Noch ist nichts entschieden. Auch für den meist gut frisierten Manuel Hagel weht in diesem Winter-Wahlkampf bis zum 8. März ein rauer Wind. Bei seiner Wahl zum Landesvorsitzenden vor gut zwei Jahren hat er das Geheimnis verraten, warum seine Haare in der Regel ziemlich gut sitzen: "Die Frage, die offenbar viele beschäftigt, ist meine Frisur und ob das jetzt zu viel Gel ist oder zu wenig. Das ist gar keins, das ist nämlich in Wahrheit Taft."