Markus Frohnmaier ist Bundestagsabgeordneter für die AfD im Wahlkreis Böblingen und er ist Co-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg. Doch das reicht ihm nicht. Frohnmaier möchte Ministerpräsident von Baden-Württemberg werden. Beim Wahlprogramm-Parteitag in Hechingen im Zollernalbkreis im November 2025 versprach er vollen Einsatz zu geben, damit "am Abend der Wahl dieser blaue Balken durch die Decke schießt und die Altparteien ihr blaues Wunder erleben". Frohnmaier träumt gar von blauen Vorhängen im Staatsministerium.
AfD-Politiker Markus Frohnmaier: Ein Spitzenkandidat ohne Listenplatz
Für den Landtag selbst kandidiert Frohnmaier nicht, er werde sein Bundestagsmandat nur aufgeben, wenn er Ministerpräsident in Baden-Württemberg wird. Alle Parteien im Landtag schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD, die vom Landesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft wird, aus. Es gilt also als wenig wahrscheinlich, dass die AfD nach den Landtagswahlen Regierungsverantwortung übernimmt. Den Wahlkampf hat die AfD trotzdem auf ihren Spitzenkandidaten zugeschnitten.
Sicherheit im Fokus Ein Zaun statt Überwachungskameras: Das Programm der AfD zur BW-Landtagswahl
Die AfD verspricht in ihrem Wahlprogramm mehr Sicherheit - durch zusätzliche Polizisten und Abschiebungen. Den Fachkräftemangel will sie lindern, indem deutsche Fachkräfte aus dem Ausland zurückkehren.
Frohnmaier und sein Image in der AfD: Lange Scharfmacher und Provokateur
Markus Frohnmaier, verheiratet, zwei Kinder, begonnenes - aber nicht abgeschlossenes - Jura-Studium, gab lange den Scharfmacher seiner Partei. Vor knapp zehn Jahren, als Bundesvorsitzender der Jungen Alternative wetterte er in Erfurt gegen Angela Merkels Flüchtlingspolitik: "Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und zwar nur für das Volk gemacht, denn wir sind das Volk."
Provozieren und polarisieren, das war seine Rolle als Bundesvorsitzender der Jungen Alternative, die der Verfassungsschutz 2019, kurz nachdem Frohnmaier das Amt aufgegeben hatte, zum rechtsextremistischen Verdachts- und die AfD selbst zum Prüffall erklärte. Den Einzug in den Landtag von Baden-Württemberg hatte Frohnmaier 2016 nicht geschafft, dafür zog er 2017 in den Bundestag ein - mit gerade mal 26 Jahren.
Von Petrys "Kampfzwerg" zu Weidels Mann in Baden-Württemberg
"Frontmaier" war einer seiner Spitzenamen. Die frühere AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry machte Frohnmaier zu ihrem Pressesprecher und nannte ihn ihren "Kampfzwerg".
Petry verließ die Partei. Frohnmaier blieb und machte den gleichen Job für Alice Weidel, die Bundesvorsitzende wurde. Bald war klar, Weidel kann nicht Bundes- und Landesvorsitzende in Baden-Württemberg sein.
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Turbulente Parteitage - lange AfD-DNA
Im Juli 2022 wurde Frohnmaier in Stuttgart bei einem turbulenten Parteitag am Abend schließlich gemeinsam mit Emil Sänze zum Landesvorsitzenden von Baden-Württemberg gewählt. Zuvor waren sie noch gegeneinander angetreten. Am Ende demonstrative Einigkeit. Frohnmaier gilt als Weidels Mann im Südwesten.
Wendepunkt Chaos-Parteitag in Rottweil
Im Februar 2024 dann ein richtungsweisender Parteitag in Rottweil. Frohnmaier und Sänze versuchen seit ihrer Wahl zur Doppelspitze die Partei zu professionalisieren. Dazu gehört auch ein geeinter Vorstand. Einer, der keine Flügelkämpfe betreibt und gegen die Landesvorsitzenden agitiert. An jenem Tag soll ein neuer Vorstand gewählt werden. Doch ehe der Parteitag beginnt, soll er wieder abgebrochen werden - wegen Überfüllung.
Die viel zu kleine Halle wird geräumt, rein dürfen nur Mitglieder und keine Gäste. Mitglieder monieren, sie seien wieder abgereist, weil sie gar nicht erst in die Turnhalle reingekommen seien. Der Parteitag wird abgehalten. Der alte Vorstand, darunter Vertraute des früheren Parteivorsitzenden und Weidel-Widersachers Dirk Spaniel, abgesetzt und ein neuer gewählt.
Am Ende haben die Landesvorsitzenden Frohnmaier und Sänze ihren Plan, auf dem Parteitag einen neuen Vorstand zu wählen, durchgezogen. Mit wortgewaltiger Unterstützung von Parteichefin Alice Weidel. Die AfD könne es sich nicht leisten, den Konflikt im Landesverband weiter in die Länge zu ziehen. Weidel sprach von "schwachsinnigen Anträgen, die die Lebenszeit der Anwesenden" stehlen würden. Auf ihr Geheiß hat Frohnmaier den Landesverband umgebaut, geordnet, wie er sagt, und professionalisiert.
Frohnmaier mit guten Kontakten nach Russland: Ein Außenpolitiker will Ministerpräsident werden
Frohnmaier pflegt gute Kontakte nach Moskau. Auch im Bundestag, wo er außenpolitischer Sprecher seiner Partei ist, wird ihm immer wieder vorgeworfen, zu Lasten Deutschlands russische Interessen zu vertreten. Aus Sicht des Politikwissenschaftlers Wolfgang Schröder, beschränkt sich Frohnmaiers Expertise auf die Interessenslage Russlands. Das sagte Schröder dem ARD-Hauptstadtstudio.
Eine geplante Russlandreise hat Frohnmaier im Herbst verschoben. Keine Zeit, es sei aber nicht in Gänze abgeblasen, so der AfD-Spitzenkandidat wörtlich beim Wahlparteitag in Hechingen (Zollernalbkreis). Es werde auch mal wieder einen Austausch geben, das sei richtig und wichtig.
Dafür reiste Frohnmaier im Dezember in die USA -Kontaktpflege zu Trumps MAGA-Bewegung. In New York zeichnete ihn der "Young Republican Club" aus. In der Einladung ist zu lesen, dass Frohnmaier für seine "mutige Arbeit" für die AfD gewürdigt werden soll, die er in einem so besonders repressiven und feindseligen politischen Umfeld in Deutschland leistet. Bei der Preisverleihung zeichnete Frohnmaier ein düsteres Bild von Deutschland:
"In meiner Heimat, Deutschland, hat die Machtelite den Verstand verloren. Sie haben meine Heimat Deutschland, dieses große Land von Dichtern und Denkern, Ingenieuren und Kriegern, von ehrenhaften Männern und Frauen in ein Land von Staatsanwälten und Zensoren verwandelt."
Frohnmaier bezeichnet sich selbst als Patriot und sucht die Nähe zu Russland und Trumps USA, wo die Einwanderungspolizei ICE brutal gegen die eigene Bevölkerung vorgeht. Davon unberührt beschwört Frohnmaier eine amerikanisch-deutsche patriotische Allianz.