Bei den Landtagswahlen am 8. März hat die Linke erstmals eine realistische Chance in den Landtag von Baden-Württemberg einzuziehen. Umfragen sehen die Partei konstant bei 7 Prozent. In den Wahlkampf zieht die Partei mit drei Spitzenkandidatinnen. Die drei Frauen nennen sich selbst "feministisches Spitzentrio" und jede der Mitstreiterinnen deckt ein bestimmtes Thema ab:
- Platz 1: Kim Sophie Bohnen - bezahlbares Wohnen
- Platz 2: Amelie Vollmer - Gesundheit
- Platz 3: Mersedeh Ghazaei - Bildung
BW-Wahl, Platz 1: Kim Sophie Bohnen - bezahlbares Wohnen
Kim Sophie Bohnen wirbelt durch das Parteibüro der Linken in Heidelberg. Meterhoch stapeln sich noch Wahlkampfplakate. Auf diesen lächelt sie breit und in großen Lettern steht ihr Wahlkampfmotto: Mieten runter.
Dabei war der Weg als Politikerin für Bohnen so nicht vorgegeben. Nach dem Abitur 2017 in Schleswig-Holstein begann sie eine Lehre zur Bankkauffrau. Der Kontakt mit den Kunden habe sie politisiert, sagt Bohnen beim Besuch des SWR nachdenklich, und erinnert sich an eine Rentnerin, die in Tränen ausgebrochen sei, weil sie nicht mehr gewusst habe, wie sie den nächsten Einkauf bezahlen solle. Das sei der Moment gewesen, so Bohnen, in dem sie gemerkt habe "irgendwas läuft hier falsch".
Sie schloss ihre Lehre ab, ging nach Heidelberg, studierte Politikwissenschaften und Soziologie und trat den Linken bei. Heidelberg ist unter den zehn teuersten Städten Deutschlands, weshalb ihr Themenschwerpunkt das bezahlbare Wohnen ist.
"Setzen klares feministisches Zeichen" BW-Landtagswahl 2026: Kim Sophie Bohnen ist Spitzenkandidatin der Linken
Die Linke BW zieht mit der 26-jährigen Kim Sophie Bohnen in die nächste Landtagswahl. Auch Platz zwei und drei der Landesliste gehen an Frauen.
BW-Wahl, Platz 2: Amelie Vollmer - Gesundheit
Auf Platz zwei der Landesliste der Linken steht Amelie Vollmer. Sie ist 2003 geboren, hat die Mittlere Reife und ist Bürosachbearbeiterin für die Landesgruppe der Linken-Bundestagsfraktion, vor allem aber ist sie Aktivistin. 2021 wollte sie schon einmal für den Wahlkreis Offenburg in den Landtag, 2025 auch in den Bundestag. Im dritten Anlauf soll es jetzt klappen. Vollmers Thema ist die Gesundheit - vor allem auch im ländlichen Raum.
Vollmer ist die jüngste und kämpferischste im Trio. Auf dem Landesparteitag im Oktober in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) schmetterte sie ihre Forderungen von der Bühne. Es brauche "einen Landeskrankenhausplan, der sich am Menschen orientiert, nicht an der Marktlogik", forderte sie.
Sie will außerdem ausreichend Personal, gute Löhne und eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung. Beim Parteitag schrie sie geradezu in den Saal: "Keine Krankenhausschließungen mehr, denn Gesundheit ist keine Ware."
Landesparteitag der Linken Jung, radikal, euphorisch: Die Linke macht sich für den Landtagswahlkampf bereit
Die Linke war noch nie im Landtag von BW vertreten. Auf ihrem Parteitag gibt sie sich selbstbewusst und systemkritisch. Bundesvorsitzender van Aken hofft auf zweistelliges Ergebnis.
Vollmer ist auch bei der Wehrpflicht ganz auf Parteilinie. Immer wieder fordert sie: "Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg! Keine Tötungsmaschinerie made in Baden-Württemberg."
Platz 3: Mersedeh Ghazaei - Bildung
Der Sound der Linken, nicht in Rüstung, sondern in Bildung zu investieren, setzt sich bei der dritten im Trio fort: Mersedeh Ghazaei. Sie ist mit Ende Zwanzig die Älteste und steht auf Platz drei der Landesliste. Geboren ist Ghazaei in Esslingen und ist - wie sie selbst sagt - Tochter einer iranischen Arbeiterfamilie.
Sie hat ein abgeschlossenes Bachelorstudium in Philosophie und Anglistik, arbeitet derzeit an ihrem Master und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Linken-Bundestagsabgeordneten. Ghazaei fordert gebührenfreie Kitas und wirksame Ganztagsbetreuung - "aber mit genügend Personal und vor allem mit fairer Bezahlung".
Die Linke will für soziale Themen kämpfen
Das Spitzentrio der Linken nimmt für sich in Anspruch, sich für soziale Themen einzusetzen. Eine Idee, wie die Vorhaben bezahlt werden sollen, haben sie auch: Umverteilung. Wer mehr habe, könne auch mehr geben, findet Kim Sophie Bohnen. Eine Vermögenssteuer oder eine Erbschaftssteuer müsse man nur wollen, dann könne man auch solche Dinge wie kostenloses Mittagessen für Schülerinnen und Schüler finanzieren. Zudem sei Deutschland kein Unternehmen, sondern ein Staat, da dürfe man auch Schulden machen - allerdings nicht nur für die Bundeswehr, so Bohnen.
Infos, Termine, Hintergründe, Ergebnisse Landtagswahl 2026: Baden-Württemberg wählt
Die Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg: Aktuelle Umfragen, Informationen zu Kandidaten, wichtigen Themen, Hintergründe und Ergebnisse.
Mitgliederansturm und Umfragehoch
Die Linke in Baden-Württemberg hat im vergangenen Jahr ihre Mitgliederzahl mehr als verdoppelt. 2025 hatte die Partei nach der Abspaltung des Bündnis Sarah Wagenknecht 3 Prozentpunkte zugelegt und war mit knapp 8 Prozent in den Bundestag gewählt worden. Dieser Trend schlägt auch aufs Land durch. Ende Januar hatte die Linke Baden-Württemberg 10.440 Mitglieder. Davon sind 52 Prozent 30 Jahre alt oder jünger. Genauso wie das Spitzentrio, das die Partei erstmals bei den Wahlen am 8. März in den Landtag führen möchte. Die Partei steht bei Umfragen konstant bei 7 Prozent.