Fan des 1. FC Heidenheim

SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch: Der Kampf gegen den Abstieg

Am 8. März wird in BW ein neuer Landtag gewählt und ein Nachfolger für Ministerpräsident Kretschmann gesucht. Für die SPD geht Landeschef Andreas Stoch als Spitzenkandidat ins Rennen.

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Stand

Von Autor/in Knut Bauer

Wenn es ein Thema gibt, das Andreas Stoch neben der Politik elektrisiert, dann ist es der Sport. Seit seiner Kindheit mache er Sport, sagt der Sozialdemokrat. Und eines habe er vor allem im Mannschaftssport gelernt: "Man lernt, zusammenzuarbeiten. Dass dann, wenn die Mannschaft erfolgreich ist, man selbst auch erfolgreich ist."

Die Blaupause dafür ist sein Herzensclub, der 1. FC Heidenheim. Die Heimspiele des kampfstarken Bundesligisten besucht Stoch regelmäßig: "Der FCH ist mein Heimatclub. Ich bin seit 15 Jahren hier mit einer Dauerkarte."

Vor 15 Jahren waren die Heidenheimer noch in der dritten Liga, seither ging es für sie im Fußball stetig bergauf. Das kann man von den Sozialdemokraten nicht behaupten. Aktuell liegen sie in Umfragen zwischen 8 und 10 Prozent. Bei der Landtagswahl 2021 holten sie 11 Prozent der Stimmen. Zehn Jahre zuvor, bei der Landtagswahl 2011, lag die SPD noch bei 23 Prozent. Andreas Stoch holte damals in seinem Wahlkreis Heidenheim fast 30 Prozent der Stimmen und zog wieder in den Landtag ein, wo er zwei Jahre zuvor für einen ausgeschiedenen SPD-Abgeordneten nachgerückt war. Zu diesem Zeitpunkt war Stoch noch als Rechtsanwalt für Zivil- und Wirtschaftsrecht tätig.

Andreas Stoch: Aus der Kanzlei in die Politik

Der gebürtige Heidenheimer hat in Giengen an der Brenz das Gymnasium besucht und nach dem Abitur Jura studiert. In der Politik ist der 56-Jährige seit mehr als 30 Jahren, seit 2001 als SPD-Kreisvorsitzender in Heidenheim. In der grün-roten Landesregierung während der ersten Amtszeit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) übernahm Stoch im Jahr 2013 nach dem Rücktritt von Gabriele Warminski-Leitheußer das Kultusministerium. Ein Amt, das er bis 2016 mit großer Leidenschaft ausübte.

Auch Ministerpräsident Kretschmann stellte dem Sozialdemokarten nach 100 Tagen im Amt ein gutes Zeugnis aus. Er sei sehr zufrieden mit seiner Arbeit, sagte Kretschmann im Jahr 2013, Stoch gehe entschlossen und systematisch an die Probleme ran.

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SPD verliert an Zuspruch

Es war eine Phase, in der sich die SPD noch als Volkspartei verstand und auch in Baden-Württemberg Aufschwung verspürte. Die Partei hatte bei der vorausgegangenen Landtagswahl 2011 zwar zwei Prozentpunkte verloren, mit 23 Prozent hatte es aber für eine Koalition mit den Grünen gereicht, die 24 Prozent der Stimmen holten hatten. Mit gut 47 Prozent lag Grün-Rot damals vor Schwarz-Gelb mit zusammen 44 Prozent. Die CDU war abgewählt worden und musste die Staatskanzlei räumen.

Die Zeit in der grün-roten Landesregierung verschaffte der SPD allerdings keinen Aufrieb - ganz im Gegenteil. Als Juniorpartner der Grünen wurden die Sozialdemokraten neben dem omnipräsenten Landesvater nicht wahrgenommen, auch nicht mit SPD-Kultusminister Stoch. Alles drehte sich um Kretschmann, nichts um seinen Koalitionspartner.

Bei der Landtagswahl 2016 stürzte die SPD regelrecht ab: die Regierungspartei fiel von 23 auf 12,7 Prozent. Die Sozialdemokraten büßten mehr als 10 Prozentpunkte ein und mussten wieder in die Opposition. Auch Andreas Stoch wechselte vom Ministersessel auf die Oppositionsbank.     

Vom Kultusminister zum Oppositionsführer

Die gegenseitige Wertschätzung von Winfried Kretschmann und Andreas Stoch hat nach der Wahlniederlage von Stochs Sozialdemokraten im Jahr 2016 deutlich nachgelassen. Seither steht der Regierungschef einer grün-schwarzen Landesregierung vor und Stoch ist Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag. In dieser Funktion arbeitet er sich regelmäßig an der Koalition von Grünen und CDU ab, etwa beim Koalitionsvertrag im Jahr 2021.

Grün-Schwarz habe keine neuen Ideen fürs Land, kritisierte Stoch. "Ich habe nichts vom Thema Wohnen gehört, ich habe nichts von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern oder Sicherung von Arbeitsplätzen gehört." Und auch mit Blick auf Kretschmann spart der SPD-Fraktionschef nicht mit Kritik, vor allem in der Endphase von dessen Amtszeit: "Winfried Kretschmann reitet der Abenddämmerung entgegen. Wir merken, dass er seine Position als Ministerpräsident im Moment noch persönlich ausfüllt, aber wir merken keinerlei politischen Gestaltungsanspruch", so Stoch in einem SWR-Interview.

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SPD-Landesvorsitz in der Krise übernommen

Allerdings hat sich der Fraktionschef in der Opposition nicht nur mit der Landesregierung auseinanderzusetzen, sondern auch mit der eigenen Partei. Die SPD in Baden-Württemberg drohte sich 2018 selbst zu zerfleischen. Die damalige Landesvorsitzende Leni Breymaier trat nicht zur Wiederwahl an, nachdem sie ein Mitgliedervotum nur knapp gegen den Bundestagsabgeordneten Lars Castelucci für sich entscheiden konnte.

Kurzfristig erklärte Andreas Stoch seine Kandidatur. In seiner Rede auf dem Landesparteitag im November 2018 sagte er: "Wenn wir es nicht schaffen, das Ruder, was den internen Umgang mit uns selbst angeht, möglichst schnell rumzureißen, dann wird die SPD tatsächlich eine Kraft sein, die große Probleme hat, sich gegen die anderen durchzusetzen, zum Beispiel gegen die Grünen." Stoch wurde zum Landesvorsitzenden gewählt - mit acht Stimmen Vorsprung.

Landtagswahl BW 2026: SPD im Tief

Inzwischen ist Stoch unumstritten die Nummer eins der SPD in Baden-Württemberg, auch wenn er es nicht geschafft hat, die Partei bei den Wahlen und in Umfragen wieder zu besseren Ergebnissen zu führen. In der jüngsten Umfrage von infratest-dimap im Auftrag von SWR und "Stuttgarter Zeitung" rutschte die SPD auf 8 Prozent ab. Ein Tiefstwert in Baden-Württemberg, so schlecht waren die Sozialdemokraten bisher nur einmal - im Jahr 2019. Damals erklärte Stoch: "Das ist natürlich im Moment nicht sehr motivierend. Das ist eine Katastrophe."

Derzeit dürfte der SPD-Spitzenkandidat ähnlich denken, auch wenn er es kurz vor der Landtagswahl nicht ausspricht. Mit Zuversicht will er in die nächsten Wochen gehen. Sein großes Ziel, die SPD wieder in eine Landesregierung zu führen, etwa eine Deutschland-Koalition mit CDU und FDP - ist angesichts der aktuellen Umfragewerte in weite Ferne gerückt. Was auffällt, sind die Parallelen zum Lieblingsverein des Heidenheimers. Die SPD rutscht ab auf ein historisches Tief im Land und in der Fußball-Bundesliga liegt der 1. FC Heidenheim auf dem letzten Platz. Beide kämpfen gegen den Abstieg. Es schmerze ihn beides, meint Andreas Stoch. Bei der SPD will er versuchen, noch etwas zu beeinflussen. Beim FCH bleibe ihm nur die Rolle des Beobachters.  

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Knut Bauer
SWR-Reporter und -Redakteur Knut Bauer

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