Tennisspieler und Chefkritiker

FDP-Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke: Aufschlag für die "Mutter aller Wahlen"

Für die FDP ist die Landtagswahl im März 2026 richtungsweisend. Deswegen nimmt FDP-Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke die Verantwortung für das Wahlergebnis der Liberalen auf sich.

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Stand

Von Autor/in Knut Bauer

Als passionierter Tennisspieler weiß Hans-Ulrich Rülke, dass es auf den Aufschlag ankommt. Das gilt auch für den verbalen Aufschlag. Den beherrscht der langjährige FDP-Fraktionschef. Gerne wettert der Oppositionspolitiker gegen die grün-schwarze Koalition und wandelt dabei auch schon mal einen Spruch von Heinz Erhardt ab: "Solange es Haare gibt, liegt sich diese Koalition in denselben."

Während der Corona-Pandemie kritisierte Rülke die von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vehement befürworteten Ausgangssperren. Ende 2021 sagte der FDP-Fraktionschef in einer Landtagsdebatte an den Regierungschef gerichtet: "Da leuchten immer die Augen, wenn Sie von Ausgangssperren reden. Aber Ausgangssperren sind ein undifferenziertes Instrument."

Großer Kritiker des BW-Innenministers

Noch öfter als Ministerpräsident Kretschmann von den Grünen attackiert Rülke Innenminister Thomas Strobl von der CDU. Als die Affäre um den Inspekteur der Polizei die Landespolitik erschütterte und Strobl ein Anwaltsschreiben an einen Journalisten weitergegeben hatte, forderte Rülke mehrfach dessen Rücktritt. Er machte sich auch für einen Untersuchungsausschuss stark, der schließlich eingesetzt wurde, um die Affäre und die Beförderungspraxis bei der Polizei aufzuarbeiten.

Und mit Blick auf das Anwachsen von Staatssektären im grün-schwarzen Kabinett stellte Rülke in diesem Zusammenhang fest: "Herr Strobl hat inhaltlich nichts durchgesetzt im Koalitionsvertrag. Aber er hat Minister- und Staatssekretärs-Pöstchen vergeben. Und jetzt, wo er selbst in schwere See gerät, müssen die alle antreten und Solidaritätsbekundungen verlesen, die an das Zentralkomitee von kommunistischen Parteien im früheren Ostblock erinnern."

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Hans-Ulrich Rülke: Der "Bad Boy der Landespolitik"

Oft bissig, manchmal zynisch gilt Hans-Ulrich Rülke als "Bad Boy" der baden-württembergischen Landespolitik. Seit 20 Jahren ist er Landtagsabgeordneter, seit dem Jahr 2009 FDP-Fraktionschef. Allerdings legt Rülke Wert auf die Feststellung, dass er in 20 Jahren im Landtag noch keinen Ordnungsruf erhalten habe, auch wenn er die Positionen seiner Partei und seine Überzeugungen pointiert vortrage.

Vor seiner politischen Karriere hat der gebürtige Tuttlinger als Gymnasiallehrer und Fachberater beim Oberschulamt Karlsruhe gearbeitet. Rülke lebt in Pforzheim, ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit dem Jahr 2001 gehört Rülke dem Landesvorstand der FDP an. 2013 wollte er Landesvorsitzender werden, unterlag aber gegen Michael Theurer. Als der frühere Verkehrs-Staatssekretär in den Vorstand der Bundesbank wechselte, wurde Rülke Anfang 2025 zum Landeschef gewählt.

Landtagswahl in BW: Für die FDP die "Mutter aller Wahlen"

Der 64-jährige ist der starke Mann der Liberalen in Baden-Württemberg, die in den letzten Umfragen allerdings um die fünf Prozent liegen und daher um den Einzug in den Landtag bangen müssen. Für Rülke ist es eine Schicksalswahl, er spricht von der "Mutter aller Wahlen" und hat beim Parteitag im vergangenen Jahr hinzugefügt: "Die Landtagswahl im Stammland des deutschen Liberalismus und im einzigen Bundesland, in dem die FDP noch nie außerparlamentarisch war, diese Landtagswahl ist nicht weniger als die Wahl, die über das Schicksal des Liberalismus in Deutschland entscheidet."

Es gehe um Sein oder Nichtsein für die FDP.  Mit dem Ausgang dieser Wahl verknüpft der Spitzenkandidat auch seine persönliche politische Karriere. Wenn es schief gehe, dann sei es das gewesen, so Rülke. Er trage die Verantwortung für den Wahlkampf und das Wahlergebnis. Sollte die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, will er die Konsequenzen ziehen und seine politische Karriere beenden. 

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In BW hat die FDP Erfahrung mit knappen Ergebnissen

Rülke glaubt fest an den Wiedereinzug ins Parlament. Im Wahlkampf fordert seine Partei einen radikalen Bürokratieabbau, auch die Wiedereinführung der Werkrealschule ist ein Thema. Der FDP-Spitzenkandidat kennt sich aus mit Zitterpartien. Im Tennis, wo er in der Regionalliga gespielt hat, und in der Politik.

Bei der Landtagswahl 2016 hat die FDP gut 8 Prozent der Stimmen geholt. Wenige Wochen davor lag sie sich noch im Bereich der Fünf-Prozent-Hürde und Rülke stellte damals in der ihm eigenen Art fest: "Es würde mir relativ wenig nutzen, wenn bei der Landtagswahl 2016 herauskäme, die FDP ist an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert, aber Herr Rülke ist der beliebteste Politiker. Umgekehrt ist es mir lieber." Daran dürfte sich auch zehn Jahre danach nichts geändert haben.

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Autor/in
Knut Bauer
SWR-Reporter und -Redakteur Knut Bauer

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