SWR Aktuell-Interview und "Faktenbasis"

Landtagswahl 2026: Linken-Spitzenkandidatin will mit 30-Stunden-Woche Wirtschaftskrise bewältigen

Die Linke könnte erstmals in den baden-württembergischen Landtag einziehen. Spitzenkandidatin Amelie Vollmer will die Krisen im Land mit ungewöhnlichen Maßnahmen in den Griff bekommen.

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Für Amelie Vollmer, eine von drei Spitzenkandidatinnen der Linken für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, ist "die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und auch vollem Personalausgleich ein ganz zentraler Bestandteil" beim Umbau des Industriestandorts Baden-Württemberg. Voller Lohn- und Personalausgleich bedeutet, dass Arbeitnehmer trotz weniger Arbeit denselben Lohn erhalten und zusätzliches Personal eingestellt wird, damit die Arbeit bewältigt werden kann. "Dadurch können wir auch eine extreme Erhöhung der Produktion erreichen", sagt Vollmer im Interview mit SWR Aktuell: "Wir können Baden-Württemberg als Industriestandort erhalten."

Es brauche aber einen grundlegenden Wandel, so Vollmer. Die Nachfrage nach deutschen Autos sei "offensichtlich nicht mehr da", Politik und Automobilindustrie hätten zu lange am Verbrennungsmotor festgehalten. Die Linke hingegen wolle "Bus und Bahn massiv ausbauen, gerade in den ländlichen Gebieten", und außerdem "viel mehr Güterverkehr auf die Schiene holen".

Vollmer will Enteignungen, um Wohnungsnot lösen

Die Wohnungsnot will die Linke lösen, indem sie "große Immobilienkonzerne" enteignet. Diese Konzerne würden "Profitmacherei mit unserem Recht auf Wohnen betreiben", so Vollmer. Ihre Wohnungen sollten "wieder zurück in die öffentliche Hand kommen". Schließlich seien viele Wohnungen, die nun in privater Hand sind, ursprünglich mit öffentlichen Geldern gebaut und dann verkauft worden: "Diese Wohnungen stehen den Menschen in Baden-Württemberg zu."

Auf die Frage, wie das finanziert werden sollte, gestand Vollmer ein, dass das "natürlich einiges kosten" würde. Das Geld sei aber da: "Das Geld liegt aktuell bei den Milliardären und dieses Geld wollen wir wieder zurückholen." Schließlich hätten nicht die Milliardäre selbst, sondern "die Millionen Menschen in Baden-Württemberg" das Geld erarbeitet. Es werde ihnen aber "aus der Tasche gezogen für einige wenige reiche Immobilienkonzerne". Unter der aktuellen Landesregierung sei Wohnen "zum Luxus geworden".

Scharfe Kritik an der Landesregierung

Auch sonst kritisiert Vollmer die Landesregierung scharf. Sie habe Sorgen der Menschen im Land, etwa wegen steigender Mieten oder einer möglichen Wehrpflicht, "in den letzten Jahren komplett liegen gelassen" und würde Politik machen, die "komplett an der Lebensrealität der Menschen vorbei" gehe. Mit Blick auf die kriselnde Wirtschaft habe die Landesregierung bislang keine Konzepte vorgelegt, die die Zukunft der Beschäftigten sichern könnten.

Die 23-jährige Offenburgerin ist eine von drei Spitzenkandidatinnen der Linken für die Landtagswahl. Mit ihr und Kim Sophie Bohnen sowie Mersedeh Ghazaei an der Spitze könnte die Linke erstmals in den baden-württembergischen Landtag einziehen, im aktuellen BW-Trend liegt die Partei bei sieben Prozent. Junge Wählerinnen und Wähler erreicht sie vor allem über Social Media. Bei der Landtagswahl dürfen erstmals schon 16-Jährige wählen.

Social-Media-Verbot "bringt nichts"

Von einem Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige, wie es die Spitzenkandidaten der Grünen und der SPD, Cem Özdemir und Andreas Stoch, sowie Teile der CDU fordern, hält Vollmer nichts: "Das bringt gar nichts." Stattdessen brauche es "eine kompetente Social-Media-Bildung, nicht nur für junge Menschen, sondern für die gesamte Breite der Bevölkerung". Man müsse sicherstellen, dass große Konzerne mit ihren wirtschaftlichen Interessen bei Social Media "nicht mehr an erster Stelle stehen".

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Tim Kukral
Tim Kukral ist Teil des Teams von "Zur Sache! Baden-Württemberg".
Katharina Fuß
SWR-Redakteurin Katharina Fuß
Nicole Freyler
Nicole Freyler

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