ADHS verstehen: Symptome, Diagnose und Therapie bei Kindern und Erwachsenen

ADHS betrifft Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Symptome können Konzentrationsprobleme, Impulsivität oder Hyperaktivität sein. 10 Fragen und Antworten zu Diagnose und Behandlung.

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Von Autor/in Veronika Simon

Was ist ADHS?

ADHS gilt als Form der Neurodivergenz. Das bedeutet, bei Betroffenen hat sich das Gehirn etwas anders entwickelt als bei Menschen ohne ADHS. Es fällt ihnen schwerer ihre Aufmerksamkeit gezielt zu steuern. Zwar fällt es vielen Menschen schwer sich z.B. längere Zeit auf einen Text oder eine Aufgabe zu konzentrieren, Menschen mit ADHS fällt es aufgrund ihrer Hirnstruktur und Biochemie allerdings noch deutlich schwerer.

Wie bekommt man ADHS?

ADHS ist angeboren und zum Teil genetisch bedingt. Kinder von Menschen mit ADHS haben eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit auch davon betroffen zu sein. Allerdings gibt es kein einzelnes "ADHS-Gen". Viel mehr spielen viele Gene eine Rolle, die insgesamt die Wahrscheinlichkeit für ADHS erhöhen.

Auch äußere Faktoren spielen eine Rolle. Beispielsweise Rauchen oder Alkohol während der Schwangerschaft, eine Frühgeburt oder ein geringes Geburtsgewicht.

Welche Symptome treten typischerweise bei ADHS auf?

Das Klischee vom zappeligen Jungen, der sich nicht konzentrieren kann, greift zu kurz. ADHS hat eine Bandbreite von Symptomen. Typisch sind Konzentrationsprobleme, aber auch die Tendenz Aufgaben vor sich herzuschieben, Dinge zu vergessen oder Flüchtigkeitsfehler. Einige Betroffene sind auch sehr impulsiv und hyperaktiv. Das merkt man zum Beispiel daran, dass sie andere unterbrechen, sehr viel reden oder sich ständig bewegen.

Aber: Bei großem Interesse können Menschen mit ADHS auch in einen sogenannten Hyperfokus kommen, in dem sie alles um sich herum vergessen und sich extrem gut auf eine Sache konzentrieren können.

Was ist der Unterschied zwischen ADHS und ADS?

Früher wurde zwischen ADHS und ADS unterschieden. Das H steht für Hyperaktivität. Wer nicht hyperaktiv ist, hatte nur ADS. Heute gibt es diese Unterscheidung nicht mehr und nur noch die Diagnose ADHS. Es werden verschiedene Gruppen unterschieden, je nachdem welche Symptome im Vordergrund stehen. Die meisten Betroffenen zeigen eine Mischung aus geringer Aufmerksamkeit und hyperaktivem und impulsivem Verhalten.

Wie häufig tritt ADHS auf und wer ist betroffen?

Laut Robert-Koch-Institut haben weltweit rund fünf Prozent der Kinder und zweieinhalb Prozent der Erwachsenen ADHS. In Deutschland ist die Zahl der Diagnosen bei Erwachsenen allerdings geringer, vermutlich weil viele von ihnen nicht wissen, dass sie ADHS haben. Allerdings ändert sich das: Eine Studie zeigt, dass die Anzahl der Diagnosen vor allem bei jungen Erwachsenen deutlich zunimmt.

Anzeichen für ADHS können schon bei Babys auftreten. Häufig fallen Kinder im Kindergarten oder der Grundschule auf, wenn erwartet wird, dass sie still sitzen und sich zunehmend selbst organisieren. Die Symptome sind aber unterschiedlich. So sind Mädchen mit ADHS oft eher nach innen unruhig als nach außen hyperaktiv.

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Diagnose: Wie wird ADHS festgestellt?

Die Diagnose erfolgt durch spezialisierte Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen. Wichtig ist herauszufinden, ob wirklich ADHS vorliegt oder es möglicherweise eine andere Ursache für die jeweiligen Symptome und Schwierigkeiten gibt.

Teilweise gibt es körperliche Untersuchungen, vor allem stehen aber Gespräche mit den Betroffenen, Familienangehörigen und Menschen aus dem Umfeld im Vordergrund. Dabei wird untersucht, ob die Symptome in mehreren Lebensbereichen auftreten, zum Beispiel zu Hause und in der Schule oder auf der Arbeit. Ebenfalls relevant ist, wie sehr die Betroffenen dadurch eingeschränkt oder belastet sind.

Was passiert, wenn ADHS erst spät erkannt wird?

Wird ADHS nicht im Kindesalter erkannt, entwickeln viele Betroffene Strategien, wie sie mit ihren Symptomen umgehen. Das kann sehr anstrengend sein und Druck ausüben. Gerade Frauen mit ADHS entsprechen oft nicht dem gesellschaftlichen Bild, wenn sie nicht ordentlich und gut organisiert sind. Das kann zu Schwierigkeiten mit dem Selbstwertgefühl führen.

Für viele Menschen, bei denen die ADHS erst spät erkannt wird, ist es ein Aha-Moment, wenn sie ihre Eigenarten plötzlich verstehen.

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Wie äußert sich ADHS bei Erwachsenen?

ADHS verwächst sich nicht zwangsläufig. Es gibt zwar Menschen, bei denen die Symptome verschwinden, die Mehrheit hat es aber auch als Erwachsene.

Aber: Die Symptome verändern sich. Bei jüngeren Kindern steht oft die Hyperaktivität im Vordergrund, Jugendliche und Erwachsene zeigen häufiger innere Unruhe. Oft verbessern sich zwar die kurze Aufmerksamkeitsspanne und die Impulsivität, sie bleiben für Betroffene aber dennoch problematisch.

Therapie: Wie lässt sich ADHS behandeln?

Es gibt verschiedene wirksame Medikamente, die helfen können, die Aufmerksamkeit zu verbessern. Meist werden sie bei älteren Kindern oder Erwachsenen eingesetzt. Was für wen geeignet ist – und ob überhaupt – muss immer individuell besprochen werden.

Ein wichtiger Punkt bei der Therapie, ist auch ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen mit ADHS gut lernen und mit weniger Schwierigkeiten durch den Alltag kommen können. Bei Kindern sollten dafür auch Lehrer:innen und Erzieher:innen mit einbezogen werden.

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Welche weiteren Risiken haben Menschen mit ADHS?

ADHS selbst ist nicht gefährlich, kann sich aber auf verschiedene Lebensbereiche negativ auswirken. Statistisch gesehen haben Menschen mit ADHS häufiger Schwierigkeiten in der Schule. Sie erreichen im Schnitt geringere Bildungsabschlüsse und ein geringeres Einkommen, obwohl sie nicht weniger intelligent sind.

Tendenziell zeigt sich ein höheres Risikoverhalten, was beispielsweise zu mehr Verkehrsunfällen führt. ADHS kann es auch schwerer machen, langfristige Beziehungen aufzubauen. Generell haben Betroffene häufig ein geringeres Selbstwertgefühl, wodurch Kinder häufiger an Depressionen oder Angststörungen leiden.

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Veronika Simon
Portraitbild von Veronika Simon, Multimedia-Reporterin und Redakteurin SWR Wissen aktuell
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Torsten Helber
Moderator Torsten Helber aus dem SWR1 Team - zu hören unter anderem im Musikclub Country.